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Auch der Philosoph Karl Jaspers hielt eine Rede auf dem Berliner Kongress,
die die „Gefahren und Chancen der Freiheit“ betonte und der italienische Phi-
losoph Benedetto Croce hatte bereits in einer der ersten Ausgaben des Monat
davon gesprochen, dass das „Banner und Losungswort der Gegner des Anti-
christ“37 Freiheit heißt. Weitere Konferenzen des CCF widmeten sich Themen
wie „Wissenschaft und Freiheit“ (1953 in Hamburg) und der „Zukunft der Frei-
heit“ (1955 in Mailand). Im westlichen Lager wurde die „Freiheitsthematik“ von
nun an universell eingesetzt. In Form einer regelrechten Ideologie der Freiheit,
die multikontextuell individuelle Freiheit, Meinungs- und Redefreiheit, Freiheit
der Künste, aber auch freies Unternehmertum und Arbeit umfassen konnte,
wurde der rhetorische Kampf der Demokratie gegen den Totalitarismus aufge-
nommen. Ein zentrales kulturelles Symbol für Freiheit und Demokratie wurde
in der Nachkriegszeit deswegen auch die vor allem aus den USA importierte
moderne Kunst (vgl. Kapitel 12: Kunst im Kalten Krieg).
Auch die österreichische Literatur beteiligt sich am gegen den Kommunismus
gerichteten Freiheits-Diskurs. In Torbergs Die zweite Begegnung (1950) nimmt
der Protagonist Martin Dub, der nach dem Einmarsch der Deutschen in die
Tschechoslowakei im März 1939 das Land Richtung Paris verließ und sich dort
der tschechoslowakischen Exil-Armee anschloss, jede Gelegenheit wahr, um
seinem „erinnerungsträchtigen Unbehagen“ (ZB 100) über die herrschende poli-
tische Situation im Prag der Nachkriegszeit Ausdruck zu verleihen. In den Wochen
vor dem kommunistischen Coups im Februar 1948 bemerkt Dub bereits die ers-
ten Ansätze des Verlustes der Meinungsfreiheit. Denn die Kommunisten, die in
die Regierung eingezogen sind und hohe Ämter bekleiden, schieben „das Gesetz,
das sie mit den andern zusammen in Händen hielten, nach Willkür und Gefal-
len hin und her“ (ebd.) und erklären jeden, der von ihrer Meinung abweicht,
„zum Söldling der internationalen Reaktion, zum Agenten im Feindesdienst“
(ebd.).
Dub führt anfangs noch einen publizistischen Kampf gegen die Übermacht
der Kommunisten und ihre Methoden, die seiner Ansicht nach die Freiheit des
Landes gefährden. Er schreibt in der „Freien Zeitung“ sowie in politischen Orga-
nen junger katholischer Gruppen, und
am liebsten und am schärfsten, in den Flugblättern einer Studentenorganisation,
der er während seiner Universitätsjahre angehört hatte und in der sich heute wie
damals all jene zusammenfanden, die unter ‚Freiheit‘ immer noch etwas verstan-
den, was sich mit Diktatur nicht vertrug. (ZB 101)
37 Benedetto Croce: Der Anti Christ in uns. In: Der Monat 1 (1948) H. 3, S. 3–7, hier S. 5.
Sprache und geteilte Welt 443
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918