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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Auch der Philosoph Karl Jaspers hielt eine Rede auf dem Berliner Kongress, die die „Gefahren und Chancen der Freiheit“ betonte und der italienische Phi- losoph Benedetto Croce hatte bereits in einer der ersten Ausgaben des Monat davon gesprochen, dass das „Banner und Losungswort der Gegner des Anti- christ“37 Freiheit heißt. Weitere Konferenzen des CCF widmeten sich Themen wie „Wissenschaft und Freiheit“ (1953 in Hamburg) und der „Zukunft der Frei- heit“ (1955 in Mailand). Im westlichen Lager wurde die „Freiheitsthematik“ von nun an universell eingesetzt. In Form einer regelrechten Ideologie der Freiheit, die multikontextuell individuelle Freiheit, Meinungs- und Redefreiheit, Freiheit der Künste, aber auch freies Unternehmertum und Arbeit umfassen konnte, wurde der rhetorische Kampf der Demokratie gegen den Totalitarismus aufge- nommen. Ein zentrales kulturelles Symbol für Freiheit und Demokratie wurde in der Nachkriegszeit deswegen auch die vor allem aus den USA importierte moderne Kunst (vgl. Kapitel  12: Kunst im Kalten Krieg). Auch die österreichische Literatur beteiligt sich am gegen den Kommunismus gerichteten Freiheits-Diskurs. In Torbergs Die zweite Begegnung (1950) nimmt der Protagonist Martin Dub, der nach dem Einmarsch der Deutschen in die Tschechoslowakei im März 1939 das Land Richtung Paris verließ und sich dort der tschechoslowakischen Exil-Armee anschloss, jede Gelegenheit wahr, um seinem „erinnerungsträchtigen Unbehagen“ (ZB 100) über die herrschende poli- tische Situation im Prag der Nachkriegszeit Ausdruck zu verleihen. In den Wochen vor dem kommunistischen Coups im Februar 1948 bemerkt Dub bereits die ers- ten Ansätze des Verlustes der Meinungsfreiheit. Denn die Kommunisten, die in die Regierung eingezogen sind und hohe Ämter bekleiden, schieben „das Gesetz, das sie mit den andern zusammen in Händen hielten, nach Willkür und Gefal- len hin und her“ (ebd.) und erklären jeden, der von ihrer Meinung abweicht, „zum Söldling der internationalen Reaktion, zum Agenten im Feindesdienst“ (ebd.). Dub führt anfangs noch einen publizistischen Kampf gegen die Übermacht der Kommunisten und ihre Methoden, die seiner Ansicht nach die Freiheit des Landes gefährden. Er schreibt in der „Freien Zeitung“ sowie in politischen Orga- nen junger katholischer Gruppen, und am liebsten und am schärfsten, in den Flugblättern einer Studentenorganisation, der er während seiner Universitätsjahre angehört hatte und in der sich heute wie damals all jene zusammenfanden, die unter ‚Freiheit‘ immer noch etwas verstan- den, was sich mit Diktatur nicht vertrug. (ZB 101) 37 Benedetto Croce: Der Anti Christ in uns. In: Der Monat 1 (1948) H. 3, S. 3–7, hier S. 5. Sprache und geteilte Welt 443
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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