Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 444 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 444 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Bild der Seite - 444 -

Bild der Seite - 444 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text der Seite - 444 -

In seinen Aufzeichnungen kurz nach dem kommunistischen Putsch 1948, der für ihn alle Freiheit, die während der Revolution von 1848 erstritten wurde, zurücknimmt, hält er fest: Die Auseinandersetzung vollzieht sich […] zwischen Diktatur und Demokratie, und durch die exzeptionelle Verweigerung einer Freiheit wird die Demokratie so wenig zur Diktatur, wie die Diktatur durch die exzeptionelle Gewährung einer Freiheit zur Demokratie wird. Übrigens steht in dieser Auseinandersetzung der Begriff der Demokratie keineswegs für vollkommene Freiheit. Er steht für die Möglichkeit der Freiheit gegen ihre garantierte Unmöglichkeit. (ZB 164) Torberg lässt seinen Protagonisten hier auf wenigen Zeilen ausführen, was er selbst nur vier Jahre später wirkungsmächtig in seiner Zeitschrift Forvm postu- lieren wird: den unausweichlichen und unbedingten Kampf der Demokratie gegen den Totalitarismus, wobei die beiden Regierungsformen Demokratie und Diktatur aus dieser Perspektive a priori unvergleichbar sind, da sie nicht auf demselben Wertesystem aufgebaut sind und die Diktatur das Konzept „Freiheit“ von vornherein ausschließt. Dadurch existiert „Freiheit“ aus Dubs Perspektive nur noch als ‚garantierte Unmöglichkeit‘ (vgl. Kapitel  4: Totalitarismus). Dieser Sachverhalt der Unvereinbarkeit der beiden ideologischen Konzepte wird neu- erlich deutlich, als sich Dub mit der Möglichkeit einer Flucht in den Westen auseinandersetzt. Die Freiheit, die „ihm nun endlich werden soll“, ist für Martin „ohnehin kein Gegenteil von Unfreiheit […], sondern nur ein Ausweg aus ihr“ (ZB 225). „Die Despotie wird fallen. / Die Freiheit wird auferstehen im Lande der Sow- jets“,38 lautet das Motto in Alexander Weißberg-Cybulskis autobiographischem Bericht Hexensabbat (1951), der die stalinistischen Säuberungen der 1930er-Jah- re aus der Perspektive eines Opfers der sowjetischen Gefängnisse und der Folter beschreibt. Ebenso wie aus den Argumentationsmustern von Martin Dub wird in dem Motto deutlich, dass „Freiheit“ im Osten nicht vorhanden ist, sie kann erst wieder „auferstehen“, wenn die Diktatur nicht mehr besteht. Dass die Auffassungen über das Wort „Freiheit“ und die damit einhergehen- den Konzepte in Ost und West unterschiedlicher nicht sein konnten, macht auf nur wenigen Zeilen ein Aperçu aus der von Milo Dor und Reinhard Federmann herausgegebenen Anthologie Der politische Witz (1964) deutlich: Hier diskutie- ren ein Amerikaner und ein Russe über die Freiheit der Meinungsäußerung. Während der Amerikaner verlautbart, er könne an den amerikanischen Präsi- denten schreiben, dass er ihn für einen Trottel halte, ohne dass damit für ihn Repressionen verbunden wären, setzt der Russe entgegen, dass, wenn er Stalin 38 Weißberg-Cybulski: Im Verhör, S. 25. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 444 11 Frieden, Freiheit, Propaganda: Rhetorik im Kalten Krieg
zurück zum  Buch Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges