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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Amerika ruft Österreich im Sender Rot-Weiß-Rot. Er entschied sich für einen Boogie-Woogie aus Florenz.“ (DZD 203) Der sowjetischen Propaganda ausgesetzt sind auch die ehemaligen Wehr- machtssoldaten in russischen Kriegsgefangenenlagern im Roman Die Getäusch- ten (1961) von Felix Gamillscheg. Angesichts ihrer starken anti-russischen Res- sentiments stößt diese bei den meisten freilich auf entschiedene Ablehnung. Die Soldaten sind im Lager der Dauerberieselung mit Märschen, endlosen Volkslie- dern mit 50 Strophen oder „auf Volkslied gemachte[n] Propagandagesänge[n]“ (G 236) ausgesetzt. Der Roman beschreibt jedoch nicht nur die leichte Durch- schaubarkeit der Indoktrinationsbemühungen und die ablehnenden Reaktionen darauf, sondern zeigt auch Opportunisten, welche die kommunistische Propa- ganda annehmen und selbst zu Agitatoren werden. Der ehemalige Wehr- machts-Hauptmann Rose will seine antifaschistische Gesinnung beweisen und versucht seine Kameraden von den Vorteilen des sowjetischen Systems zu über- zeugen. Dies tut er vor allem deswegen, weil er sich daraus Vorteile während seiner Gefangenschaft erwartet. Jedoch stößt er beim Großteil seiner Kamera- den auf taube Ohren, denn er spricht in kommunistischen Floskeln: „Wir leben im Zeitalter der Großraumordnungen […] und die können nicht nach faschis- tischen oder kapitalistischen Grundsätzen gemeistert werden. Nur die junge, kräftige kommunistisch-sozialistische Gesellschaftsordnung wird dafür fähig sein.“ (G 225) Man müsse das sowjetische System auch in Deutschland einfüh- ren, um „die Drohnen, die Junker, die Großkapitalisten, die Militaristen auszu- schalten“ (G 225  f.). Rose schmückt noch als er krank wird, die Wege um die Kommandantur des Lagers mit Sowjetsternen, um seine tadellose sozialistische Gesinnung zu bewei- sen. Unter das Fenster des Kommandanten schreibt er mit roter Farbe „Slava velikomu Stalinu – Ruhm dem großen Stalin!“ (G 120) in deutscher und russi- scher Sprache. Darüber hinaus setzt er sich bei der Lagerleitung für die Errich- tung einer Bibliothek ein, in der Lenins gesammelte Werke, Stalins Reden sowie das Kapital von Karl Marx und Friedrich Engels für die Gefangenen zugänglich gemacht werden sollen, damit „auch die von Hitler verführten Deutschen end- lich Gelegenheit bekämen, sich mit den Werken der großen Führer des Marxis- mus-Leninismus-Stalinismus vertraut zu machen“ (G 121). Der Österreicher Jellinek lässt sich von Roses ‚Propagandafloskeln‘ nicht beeindrucken und er durchschaut, dass es einen Unterschied gibt zwischen den „gläubigen Kommu- nisten“ und dem „Opportunisten“, die „scheinbar das gleiche predigten“ (G 229). Kurz bevor die Soldaten in Richtung Heimat gesandt werden, müssen sie ein letztes Mal sowjetische Propaganda über sich ergehen lassen. Diesmal wird sie von ehemaligen Wehrmachtssoldaten verbreitet, die in antifaschistischen Schu- lungen zu Kommunisten gemachten wurden und bei ihrem Auftritt im Kultur- saal des Kriegsgefangenenlagers „arrogant über die Masse“ blicken (G 303). Der Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 450 11 Frieden, Freiheit, Propaganda: Rhetorik im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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