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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Führer der „Antifas“ spricht vom Rednerpult „mit einem fanatischen Zug in den Augen“ (ebd.) negativ über Österreich, wo seinen Ausführungen nach das „Cha- os“ herrschen würde, denn dort hätten „reaktionäre und faschistische Elemente die Oberhand gewonnen“, die „sich auf Kosten der Arbeitklasse mästeten“ (G 304). Es würden „Korruption und Schiebung“ herrschen, was ein Zeichen dafür sei, dass der „Monopolkapitalismus […] das Land in seinen Fangarmen“ halte und es „zu erdrücken“ (ebd.) drohe. Ausnahmslos reagieren alle österreichischen Kriegsgefangenen abweisend, missbilligend und mit Kritik auf diese Ausführun- gen. Auf die Aufforderung des Anführers der „Antifas“, die Soldaten sollen in ihrer Heimat davon berichten, was sie „im Arbeiterparadies“ (ebd.) gesehen hät- ten, wobei sie „nur die Wahrheit“ (ebd.) zu erzählen bräuchten, antwortet, stell- vertretend für seine Kameraden, ein junger Soldat: „Worauf du dich verlassen kannst, du Arschloch“ (ebd.). Was „Wahrheit“ ist und was „Propaganda“ lässt sich für Gamillschegs Figuren leicht durchschauen. Auch die Figuren in den Romanen von Federmann und Habeck haben keine Probleme, Quellen und Ziel der jeweiligen Propaganda zu erkennen, und sie zeigen sich äußerst resistent dagegen. Im Unterschied dazu haben die Figu- ren in Friedrich Heers Der achte Tag (1949) keine Option dem Sperrfeuer der Pro- paganda im Weltstaat der „Menschheits-Gesellschaft“ (M.G.) zu entgehen. Nach eigenen Aussagen war es Heers intendiertes Ziel im Roman „Satire, Groteske und Höllenbild“ der Nachkriegszeit „in das imaginäre Bild einer auch äußerlich nach- und gegenchristlichen Welt im Jahre 2074 n.  Chr.“53 zu projizieren. Im Weltstaat des sogenannten „Büros“ wird die Rolle von Presse und Medien aufs strengste kon- trolliert. Der Roman schildert das Kontrollsystem auf vielen Seiten. Die Hauptfi- gur des Romans, der Amerikaner John Percy Brown, sieht in der „Europazentrale“ des Nachrichtendienstes den hochgerüsteten Medienapparat zur weltweiten Ver- breitung aller gewünschten Nachrichten „in hundertzwanzig Sprachen“. (AT 93). Darüber hinaus hat er die Gelegenheit, das „Secretbüro“ zu besichtigen, welches all jene Nachrichten, die der „autonomen M.G.“ aus Sicherheitsgründen vorent- halten werden, sammelt, registriert und verwertet sowie nach Vorgabe des „Büros“ manipuliert. Hier drängen sich deutliche Parallelen zum „Wahrheits-Ministerium“ in George Orwells Nineteen Eigthy-Four (1949) auf, das die Propaganda von Oze- anien steuert und historische Revisionen durchführt. In Heers Weltstaat, der total und überbürokratisiert ist, hat die propagandis- tische „Nachrichtenerzeugung“ drei Hauptressorts: „Das Außenamt“, dem sowohl die Sammlung als auch die Sichtung des aus aller Welt eingehenden Nachrich- tenmaterials obliegt, ferner das „‚Innenamt‘, auch ‚Fiction‘ genannt“, welches „in eigener Regie Nachrichten, […] [sowie] Bild-, Bericht-, Tonstoffe (es besitzt die 53 Friedrich Heer: Offener Brief. In: Die Furche, 9.9.1950, zit. n. Lewandowski: Hermann Goh- de: Der achte Tag (1950), S.  170. Propaganda in Ost und West 451
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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