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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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sich plötzlich in der Sprache des Feindes und sympathisieren mit dessen Kultur. William, durch einen sowjetischen Reporter mit dem ideologischen Konzept des Kommunismus vertraut gemacht, postuliert, dass die Sowjets „Freunde aller Unterdrückten“ wären und „schon viele Völker vom kapitalistischen Joch“ (ZR 112) befreit hätten. Auch Natascha, die William „gerne sehen und [s]ich mit ihm unterhalten“ (ZR 116) will, wird von ihrem sowjetischen Konstrukteur Schacha- jew entrüstet darauf hingewiesen, dass sie „die Verkörperung einer echten Sow- jetbürgerin“ (ebd.) sei und deshalb keine „Bekanntschaft mit einem amerikani- schen Roboter“ (ebd.) machen dürfe, da er „sofort versuchen [würde], Ihnen einzureden, daß er viel mehr Freiheiten hat als Sie“ (ebd.). Als ein amerikani- scher Reporter das Erscheinungsbild von Natascha kritisiert – sie ist in sowje- tische Nationaltracht gekleidet – möchte diese dann lieber wie ein „Texasgirl“ und nicht „wie eine Bäuerin“ (ZR 118) gekleidet sein. Schachajew verbietet dem amerikanischen Reporter schließlich, mit Natascha zu sprechen, da sie „Eigen- tum der Sowjetunion“ sei und „nicht von Ausländern beeinflußt werden“ (ebd.) dürfe. Dass William schließlich in Streik tritt, weil er Natascha nicht treffen darf, löst eine Sensation in den Medien aus. Die Sowjets wittern ihre Chance, Wil- liams Protest für ihre eigenen Propagandazwecke zu instrumentalisieren, denn er würde beweisen, „wie groß die Unterdrückung der Werktätigen in den Ver- einigten Staaten sei, weil nun sogar ein Maschinenmensch gegen seine Verskla- vung protestiert“ (ZR 141). Im weiteren Verlauf der Handlung inszenieren die Sowjets Natascha erfolgreich, aber doch gegen ihren Willen, als „Engel des Frie- dens“ (ZR 175), während es um William eher still wird. Deshalb beschließen die Amerikaner, William zu Propagandazwecken mit einer Rakete auf den Mond zu schießen, über ihn wird verfügt wie über ein „Versuchskaninchen“ (ebd.). Schlussendlich löst sich in Bruckners Utopie der Kalte Krieg in Wollgefallen und Versöhnung auf, die beiden Roboter werden in einer Versöhnungsgeste zwischen Ost und West gemeinsam auf den Mond geschossen. Wenn Bruckner also in seinem Roman die Problematik einer von Propaganda geprägten Auseinander- setzung thematisiert, bezieht er sich damit auf beide Seiten des Kalten Krieges. Kommunistische Propaganda-Texte Leo Katz’ Die Grenzbuben (1951), Sally Bleistift in Amerika (1935, wiederaufge- legt 1947 im kommunistischen Globus-Verlag) von Auguste Lazar, das sie unter dem Pseudonym Mary Macmillan veröffentlichte,57 Ernst Fischers Der große 57 Bezüglich der Neuausgabe 1947 schreibt Lazar an den Globus-Verlag: „[…] Das Pseudonym ist ja mit dem Zusammenbruch des Hitlerreiches hinfällig geworden. […] Zweitens muss unter Kommunistische Propaganda-Texte 453
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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