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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Besonders plakativ gestaltet findet sich die propagandistische Absicht des Textes in einem Symbol, nämlich einem alten Globus, mit dem die Titelheldin Sally und John Brown, ein schwarzes Waisenkind, das von ihr adoptiert wurde, spielen. Der Globus ist zwar „alt und die Farben sind verblaßt“ (SB 110), jedoch hat der junge Kommunist Billy Smith aus Begeisterung einen roten Fleck gemalt und in die Mitte mit großen „leuchten[d] festlichen“ (ebd.) roten Buchstaben UdSSR geschrieben. Dem kleinen John Brown, benannt nach dem US-amerika- nischen Gegner der Sklaverei, fällt dieser rote Fleck besonders auf und er deutet – begleitet von seinem kindlichen Idiom („Dadada“, SB 113) – immer wieder darauf hin. Anhand dieses roten Flecks auf dem Globus konstruiert der Text das von Lenin intendierte „Arbeiterparadies“64, wie es „mit literarischem Enthu- siasmus seit den zwanziger Jahren innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung gezeichnet wurde“,65 in dem die Klassengegensätze, die etwa im kapitalistischen Amerika herrschen, aufgehoben sind: Da-da da ist es nicht wie in anderen Ländern […] da gibt’s keine Milliardäre, de- nen gehört die Eisenbahn und die Kohle in der Erde und das Öl und das Gold und das Eisen und alles, was wächst auf der Erde, und alles, was man kann machen daraus in Fabriken. Dada – da gehört alles allen. Und wenn’s ihnen schlecht geht, dann geht’s ihnen nicht schlecht, damit ein paar wenige Leute steinreich werden können, dann geht’s ihnen nur schlecht, damit es später einmal allen gut gehen kann. (SB 113) Die junge Sowjetunion wird an dieser Stelle von Sally Bleistift als ein Ort ima- giniert, an dem sich eine universelle Gerechtigkeit durchgesetzt hat. Die Sowje- tunion übertrifft die USA sowohl in sozialen Belangen als auch in der gerechten Verteilung der Besitztümer auf alle arbeitenden Menschen. Selbst der Mangel wird als etwas Positives charakterisiert, ist er doch in dieser naiv dargestellten Sicht der Dinge nur ein Durchgangsstadium auf dem Weg zum allgemeinen Wohlstand. Sally ist schließlich veranlasst, gemeinsam mit John Brown und dem Indianer Redjacket in dieses Land der Verheißung zu gehen, wo sie bereits von Sallys Sohn erwartet werden, der an der Revolution 1917 beteiligt war und mit- geholfen hat, den paradiesischen sozialistischen Staat aufzubauen. 64 Das Bild vom Arbeiterparadies findet sich erstmals 1905 in einem Text von Lenin über die Thematik Sozialismus und Religion, der apostrophiert, dass der revolutionäre Kampf der Arbei- terklasse „für ein Paradies auf Erden […] wichtiger als die Einheit der Meinungen der Prole- tarier über das Paradies im Himmel“ ist. W.  I.  Lenin: Sozialismus und Religion. In: Ders.: Wer- ke, Bd.  10. Hg. v. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU. Berlin: Dietz 1958, S.  70–75, hier S.  74. 65 Annette Schuhmann: Kulturarbeit im sozialistischen Betrieb. Gewerkschaftliche Erziehungs- praxis in der SBZ – DDR, 1946 bis 1970. Köln, Wien, Weimar: Böhlau 2006, S.  39. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 456 11 Frieden, Freiheit, Propaganda: Rhetorik im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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