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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Im Kalten Krieg war der Begriff des „Arbeiterparadieses“ dann bereits dis- kreditiert. Er wurde von den Kommunisten der antisowjetischen Propaganda zugeschrieben, wie sich anhand einer Broschüre die vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Österreich (KPÖ) herausgegeben wurde, zeigen lässt: „Das Wort vom ‚Paradies der Arbeiter‘ stammt nicht von den Kommunisten, sondern ist seit eh und je ein Bestandteil der antisowjetischen Propaganda“,66 erörtert die Broschüre und betont, dass der Begriff „Paradies“ der transzenden- ten Sphäre zuzuordnen sei, wo Arbeit nicht nötig wäre, während sie in der Sow- jetunion aber unbedingt nötig sei. Die Unterdrückung der Arbeiter im Nachkriegsösterreich gestaltet Susanne Wantoch in Das Haus in der Brigittastraße. Die Figurenzeichnung gehorcht dabei der Dichotomie des orthodoxen Klassenkampfkonzeptes: Die ‚Guten‘ bzw. Unter- drückten, die für ihre Rechte kämpfen müssen, stammen vor allem aus dem Arbeitermilieu, während die ‚Bösen‘ sich in den Reihen der auftretenden Poli- tiker, Geschäftsmänner, Beamten und Fabrikbesitzer finden. Es wird kein Zwei- fel daran gelassen, wer der Feind ist und wer für die prekäre Situation der Arbei- ter im Österreich der Nachkriegszeit verantwortlich ist. In Wantochs Gegennarrativ zum österreichischen Wiederaufbau aus weiblicher Perspektive ist die Entwicklung der positiven Figuren mit der idealtypischen Hinwendung zum Kommunismus verbunden, wie etwa an Martha Stanzl deutlich wird, die von einer unpolitischen Arbeiterin zur Betriebsrätin heranreift, die für die Rech- te der Arbeiterinnen in ihrem Betrieb kämpft. Die alte Ordnung in ihrer Verbindung von Kapitalismus und Faschismus, die in der Perspektive des Romans auch in der Nachkriegszeit weiterbesteht, ist im während des Krieges zerbombten Haus in der Brigittastraße symbolisch verdich- tet: ein Haus, das auch im Zuge des Wiederaufbaus einsturzgefährdet ist und aufgrund der Allianz zwischen Kapitalisten und ehemaligen Nationalsozialisten tatsächlich wieder in Trümmer geht (vgl. Kapitel  7: Nationalsozialismus). Die Schwarz-Weiß-Logik des Textes wird nicht nur anhand jener generalisierenden Stellen deutlich, die das Milieu der Arbeiter schildern, also dasjenige „Reich der Betriebe und Fabriken“ (HB 5) am Donaukanal, „die mit Sirenengeheul jeden Morgen viele tausend Menschen schlucken, um sie acht Stunden später, müde und ausgelaugt, dem Abend und sich selber wiederzugeben“ (ebd.). Auch die konkrete Tätigkeit des Arbeiters umreißt dessen schwierige soziale Stellung. So wird die Einführung der Akkordarbeit nach amerikanischem Schema im Schnei- dereibetrieb von Georg Krenek, wo Martha Stanzl tätig ist, als unmenschlich geschildert. Krenek, den Vertretern des Kapitals zugeordnet, wird holzschnit- 66 Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Österreichs (Hg.): Österreichische Abgeordnete und Journalisten sehen die Sowjetunion. Wien: Globus 1955. Zentralkomitee der KPÖ (Hg.): Österreichische Politiker und Journalisten sehen die Sowjetunion. Wien: Globus 1956, S.  4. Kommunistische Propaganda-Texte 457
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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