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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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waren oft selbst – ohne es zu wissen – Ziel der Überwachung durch staatliche Institutionen.8 Die CIA schickte ganze Orchester um die Welt, auch Jazz-Musi- ker wie Louis Armstrong und Dave Brubeck wurden vom State Departement als die „wahren Botschafter“ („real ambassadors“, so auch der Titel einer Platte von Armstrong und Brubeck) auf Tourneen hinter den Eisernen Vorhang entsandt, um dort den Jazz als Errungenschaft der amerikanischen Kultur zu propagie- ren.9 Hinter dem Eisernen Vorhang trugen Pravda, Radio Moskau und die Agit- Prop-Kader jede kulturelle Resolution des „Zentralkomitees der Kommunisti- schen Partei der Sowjetunion“ (KPdSU) in die Fabriken und Kolchosen. Die Einmischung durch die Machthaber geschah am offensichtlichsten durch Zen- sur oder Unterdrückung unerwünschter, aber auch durch Patronanz bzw. För- derung offiziell erwünschter Kunst, die – selbst wenn sie keine politische Bot- schaft enthielt – im jeweiligen Kontext die Ideologie einer der beiden Supermächte kommunizierte. Der kulturelle Antagonismus war eben nicht nur ein „simpler Streit […], sondern vor allem auch ein Kampf um Macht, um eine politische, gesellschaftliche und kulturelle Neudefinition“.10 Grundsätzlich kann man für die Zeit des Kalten Krieges von einer Frontstel- lung zweier Kunstrichtungen ausgehen: die abstrakt-informelle Kunst im Wes- ten, die das Signum der persönlichen Freiheit trug, und der Sozialistische Rea- lismus, der den Auftrag hatte, die Zukunft einer kollektiven „sozialistischen Menschengemeinschaft“ auf der künstlerischen Ebene zu verifizieren.11 Albert Camus erfasste bereits 1951 in L’Homme révolté (dt. 1953 Der Mensch in der Revolte) diese Propagandawirkung und Instrumentalisierung der Kunst durch die Supermächte, die die Blockbildung im Kalten Krieg mit sich gebracht hatte: Da die moderne Kunst nihilistisch ist, ist sie zwischen Formalismus und Realis- mus eingekeilt. Der Realismus ist ebenso gut bürgerlich, dann jedoch düster, wie er sozialistisch ist, dann jedoch erbaulich. Der Formalismus gehört zu gleichen Teilen der Gesellschaft der Vergangenheit an, als grund- und zwecklose Abstrak- tion, wie derjenigen, die sich als im Besitz der Zukunft ausgibt, dann bestimmt er die Propaganda.12 8 Vgl. Erin G. Carlston: Modern Literature under Surveillance: American Writers, State Espio- nage, and the Cultural Cold War. In: American Literary History  22 (2010) H.  3, S.  615–625. 9 Vgl. Penny M. von Eschen: The Real Ambassadors. In: Reinhold Wagnleitner (Hg.): Satchmo Meets Amadeus. Innsbruck, Wien, Bozen: Studien-Verl. 2006, S.  97–110. 10 Christina Hainzl: Abstraktion und Kalter Krieg: das Internationale Programm des Museum of Modern Art New York (1952–1962). Ein Vergleich zwischen Österreich und Italien. Salzburg: Univ.-Diss. 2004, S.  12. 11 Gillen: Feindliche Brüder?, S. 9. 12 Albert Camus: Der Mensch in der Revolte. Reinbek/H.: Rowohlt 1997, S. 309. Wettkampf der Künste 465
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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