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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Rudolf Henz’ satirischer Roman Der Kartonismus verknüpft in einer für die österreichische Literatur einzigartigen Weise die für die Systemkonkurrenz des Kalten Krieges entscheidenden Diskurse zur gesellschaftlichen Rolle von Kunst. Aus diesem Grund bildet er das Zentrum der folgenden Ausführungen. Henz’ konservative Perspektive ist das Richtmaß für seine Kritik sowohl an den moder- nen Kunstströmungen in der Literatur und bildenden Kunst des Westens als auch an der dogmatischen Kunst des Sozialistischen Realismus im Osten. Dabei werden im Kartonismus auf der Handlungsebene die historischen Konstellatio- nen des Kalten Krieges umgedreht: Der Osten will seine Überlegenheit über den Westen in ökonomischer, technologischer und kultureller Hinsicht durch eine neue Kunstrichtung, die allen Dogmen des Sozialistischen Realismus wider- spricht, beweisen und mittels eines neuen „Ismus“ die Kunst der „freien Welt“ desavouieren. Darüber hinaus bedient sich Henz Bilder wie der Vorstellung von Kunst als einer universellen Waffe im Kalten Krieg, der oftmals von Politikern oder Geheimdiensten postulierten These von der modernen Kunst als Verschwö- rung oder Bedrohung für das eigene System, sowie der typischen Figur des mit dem Kommunismus sympathisierenden Künstlers als Spitzel, Spion oder Fel- lowtraveller. Diese Problematik des Künstlers, der sich zum Werkzeug eines der beiden Systeme macht, behandeln auch Das Haus in der Brigittastraße (1955) von Susanne Wantoch und kurz nach 4 (1957) von Ulrich Becher. Der Kartonis- mus wirft aber zusätzlich, ebenso wie Friedrich Heers dystopischer Roman Der achte Tag (1950), ein Schlaglicht auf die Problematik des Verhältnisses von Künst- ler und totalitärem System. Freiheit und Doktrin: Abstraktion vs. Sozialistischer Realismus Freiheit der Kunst und Widerstand gegen die Abstraktion Rudolf Henz, dessen ideologische Position Karl Müller als „katholisch, kirchen- treu, antikommunistisch [und] ästhetisch traditionell“13 zusammenfasst, bündelt in seinem Roman Der Kartonismus zahlreiche Diskursfäden, die sich in der Aus- einandersetzung mit moderner Kunst vor dem Hintergrund der Systemkonfron- tation des Kalten Krieges wiederfinden. Der Text versucht sich satirisch den Positionen und Verfahren der modernen Kunstproduktion anzunähern, bleibt dabei jedoch, vor allem auch wegen seiner komplizierten und unübersichtlichen Handlungsführung in befremdlicher Weise unentschlossen. Im Zentrum des mit possenhaften Zügen versehenen Romans steht der jun- ge Künstler Hans Hiasl, gleichzeitig Ich-Erzähler des Romans, der statt seines 13 Müller: Zäsuren ohne Folgen, S. 227. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 466 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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