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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Zweiten Republik konfrontiert sahen.15 In Henz verkörpert sich darüber hin- aus die Kontinuität des österreichischen „Ständestaates“ bis weit in die Nach- kriegszeit, fungierte er doch als Leiter des „Kulturreferats der Vaterländischen Front“ und wissenschaftlicher Direktor der „RAVAG“ während des Austrofa- schismus ebenso wie als Programmdirektor des Österreichischen Rundfunks nach 1945. Das satirische Element im Kartonismus entsteht durch die Umkehrung der historischen Konstellationen. Denn eigentlich verband sich ab den 1950er-Jah- ren der „ästhetische Ausschließlichkeitsanspruch abstrakter Kunst“ mit den westlichen Kunstinstitutionen.16 Dieser diente als Gegenentwurf zum Sozialis- tischen Realismus, der offiziellen, doktrinären Kunstrichtung der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten. Obwohl im Westen starke Vorbehalte gegen abstrak- te Kunst geäußert wurden, war sie „eine bittere Medizin gegen die vergangene Kunst der Nazis und die gegenwärtige der Kommunisten“17, deren – bei ober- flächlicher Betrachtung erkennbare – Gemeinsamkeit das Festhalten an der Gegenständlichkeit war. Unter Künstlerinnen und Künstlern war von der soge- nannten „Marshallplan-Kunst” die Rede, da die abstrakte Kunst gleichzeitig mit den CARE-Paketen und den Krediten des European-Recovery-Program in Euro- pa eintraf. Da also die gegenständliche und realistische Kunst durch den Natio- nalsozialismus sowie ihr Pendant im sowjetischen Einflussbereich desavouiert war, galten informelle Strömungen in der bildenden Kunst gleichsam automa- tisch als Bekenntnis zum freien Westen. Der besondere Kniff der amerikanischen Nachkriegspolitik war es, „jede direkte Übertragung von Ideologien und politi- schen Problemen in die Kunst“18 zu vermeiden. Stattdessen versuchten die USA mittels groß angelegter Ausstellungen über moderne amerikanische Kunst das Weltbild einer freien demokratischen Kultur, die nur von freien Individuen geschaffen werden könne, in Europa zu propagieren,19 sowie dem durch die Russen verbreiteten Bild, die USA wäre eine infantile, Kaugummi kauende, Coca-Cola, Comics und Soap-Operas konsumierenden Nation, entgegenzuwir- ken. Andererseits blieb Ministerpräsident Nikita Chruschtschow auch während des sogenannten „Tauwetters“, als das kulturpolitische Klima in der Sowjetunion hinsichtlich moderner künstlerischer Strömungen liberaler wurde, scharfer Kri- tiker der modernen Kunst und ein Verfechter des Sozialistischen Realismus.20 15 Oliver Rathkolb: Die paradoxe Republik. Österreich 1945 bis 2010. Innsbruck: Haymon 2011, S.  235. 16 Gillen: Feindliche Brüder?, S. 84. 17 Ebd. 18 Guilbaut: Wie New York die Idee der modernen Kunst gestohlen hat, S. 30. 19 Gillen: Feindliche Brüder?, S. 94. 20 So äußerte sich Chruschtschow auf einer Sitzung der Ideologiekommission des ZK über abs- trakte Malerei: „Das ist Pornographie, keine Kunst. Das muß verboten werden! Sogar abstrak- Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 468 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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