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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Die Vorstellung, dass die Kunst als Waffe im kulturellen Feld eingesetzt wür- de, zieht sich durch zahlreiche nationale und internationale Kunstdebatten, wie z.B. im Organ der sowjetischen Besatzungsmacht in Österreich, der Österrei- chischen Zeitung, die ganz auf Parteilinie der KPdSU operierte. Anlässlich einer Ausstellung der Werke Marc Chagalls wird behauptet: Den Meistern einer solchen […] Kunst zahlt der Kapitalismus ebenso viel wie den Konstrukteuren der modernsten Panzer, der fliegenden Festungen und der Atom- geschütze […] Denn die ‚Kunst‘, die Menschengestalt zu verzerren, ist ebenso eine Kampfwaffe des Kapitalismus […]. Er braucht sie zur Errichtung weitgehender Ziele.50 Die Überzeugung, dass die Kunst in der Ost-West-Konfrontation einer Waffe glich,51 teilte auch Jean-Paul Sartre in einer Rede über die „Abrüstung der Kul- tur“, die er 1962 auf dem in Moskau stattfindenden „Weltkongreß für allgemei- ne Abrüstung und Frieden“ hielt: Wie viele Vereine – deren Sitz in Frankreich und Italien und deren Kasse in Nord- amerika ist – wurden mit Begeisterung gegründet. Sie nennen sich: „Verteidigung der Kultur“, „Kultur und Freiheit“, „Freiheit der Kultur“ usw. […] Sie kennen die- ses Zauberkunststück. Man gibt vor die Kultur zu verteidigen, wenn man sie in Wirklichkeit mobilisiert; man erklärt überall, daß man den Krieg macht, um sie zu retten, während sie in Wirklichkeit völlig den Kriegsinteressen unterworfen wird.52 Sartres Kritik trifft eine der wirkungsmächtigsten Institutionen des kulturellen Kalten Kriegs: den „Kongress für kulturelle Freiheit“ (CCF), der 1950 erstmals in Berlin stattgefunden hatte und das Ziel verfolgte, dem Einfluss der sowjeti- schen Friedenskongresse auf westeuropäische Intellektuelle entgegenzuwirken. Das von Arthur Koestler und Manès Sperber verfasste „Manifest für freie Men- schen“, welches am Gründungskongress des CCF im Juni 1950 verlesen wurde, bezieht sich in Punkt  8 auf die subtilen Instrumente im Arsenal des Kalten Krie- ges der Kultur, wie Manifeste, Pamphlete, Kulturzeitschriften, Bücher, Radio- 50 Fritz Hermann: Sie erziehen zum Hass gegen den Menschen. In: Österreichische Zeitung, 25.2.1953. 51 Vgl. dazu Eva Cockcroft: Abstract Expressionism. Weapon of the Cold War. In: Artforum 15 (1974) H.  10, S.  39–41. Robert Burstow: The Limits of Modernist Art as a ‘Weapon of the Cold War’: Reassessing the Unknown Patron of the Monument to the Unknown Political Prisoner. In: Oxford Art Journal  20 (1997) H.  1, S.  68–80. 52 Jean-Paul Sartre: Abrüstung der Kultur. In: Tagebuch 17 (1962) H. 8/9, August/September, S. 1, 16. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 480 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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