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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 483 -
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in der Staatskasse der VVR gelandet sind, soll bereits wieder mit dem „Schein- zugeständnis“ an die moderne Kunst Schluss sein. Moderne Kunst als Bedrohung Im Kartonismus wird in oft holzschnittartiger, oft auch sehr oberflächlicher und kalauernder Satire das Bild eines kommunistisch regierten Landes gezeichnet, das die „inneren Monologe mehr fürchtet als das Dynamit perfekter Saboteure“ (K 76) und das durch die eigenen politischen Fehler sowie die Misswirtschaft in den Fünfjahresplänen weniger bedroht ist als durch den subversiven Anspruch der modernen Kunst: „Malt aber ein Maler abstrakten Unsinn, schreibt ein Poet absurde Verse, ist der sozialistische Realismus und damit die Grundlage der VVR in Gefahr.“ (K 75) Eva Horn führt als eine Eigenart der politischen Paranoia während des Kalten Krieges die „Interpretations-Krankheit“ an, welche ein „wel- tumspannendes, unsichtbares Netzwerk“ imaginiert und „geheime Codes und Symbole, Mechanismen und Medien der heimlichen Manipulation“62 entwirft. Arno Schmidt nimmt diesen Diskursfaden bereits 1948 als grandiosen Witz auf und richtet einen verschlüsselten Brief An die Exzellenzen Truman, Stalin und Churchill, die Oberhäupter der drei Weltmächte: „8 c357 8xup ZEUs! / id 21v18 Pt 7 gallisc 314 002a 17? V 31 GpU 4a 29, 39, 49? Mz 71 Fi16 / 34007129 pp 34 udiІ9jem 13349 bubu Weg!“63 Diesen Aspekt der Bedrohung, der vom anderen System ausgeht, selbst wenn es sich nur um abstrakte Konzepte handelt, hat der späte Ernst Fischer hinsicht- lich moderner Literatur beschrieben: „In der Festung einer starren Ideologie läuft man Gefahr, allem Geistigen, das von ‚drüben‘ kommt, zu mißtrauen, von jeder wissenschaftlichen Erkenntnis oder neuen Idee anzunehmen, sie stamme aus der ideologischen Teufelsküche des Todfeinds.“64 Damit wurden auch die Feindbilder immer unbestimmter, alles und jeder konnte verdächtigt werden, ideologische Subversion auszuüben. „Unsichtbare Feinde“, Atomspione oder die Gehirnwäsche waren verbreitete politische Phantasmen der 1950er-Jahre und dienten als Projektionsfläche sozialer und kultureller Ängste in den USA. In der Sowjetunion hingegen dominierten Spione und Saboteure die Bedrohungssze- narien, denen die Aktivitäten des KGB entgegengesetzt wurden. Jurij Andropow, Vorsitzender des KGB, dehnte den Kampf gegen ideologische Subversion, die er als eine der Hauptgefahren für den Ostblock begriff, auch auf abstrakte Malerei 62 Horn: Der geheime Krieg, S. 383. 63 Arno Schmidt: Wundertüte. Eine Sammlung fiktiver Briefe aus den Jahren 1948/49. Hrsg. v. Bernd Rauschenbach. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2004. S.  15. 64 Ernst Fischer: Kunst und Koexistenz, S. 55. Moderne Kunst als Bedrohung 483
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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