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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Der konservative Wheeler Williams, Präsident der „American Artists Profes- sional League“, beschwerte sich bei US-Präsident Eisenhower, dass die „Ameri- can National Exhibition“ 1959 in Moskau auch Bilder von modernen Künstlern, wie z.B. Jackson Pollock zeigte. Er bestand darauf, dass die kommunistischen Künstler die gesamte amerikanische Kultur zerstören wollten: „[…] wenn sie unser Vertrauen in Gott und das Vertrauen in die Schönheit und die Wunder unseres kulturellen Erbes zerstören, das auch Kunst und Literatur, Musik etc. beinhaltet, können sie uns auch ohne Wasserstoffbombe stürzen. Sie brauchen dazu nur ein Spielzeuggewehr“.67 Diese „Invasionsphantasien“ setzen sich bei dem bereits erwähnten Dondero fort. Dieser schrieb jeder modernen Kunstrich- tung ein spezifisch inhärentes Zerstörungspotential zu und konstatierte, dass die Form eines jeden „Ismus“ einen „tödlichen“ Virus enthalte: Cubism aims to destroy by designed disorder. Futurism aims to destroy by the machine myth  … Dadaism aims to destroy by ridicule. Expressionism aims to destroy by aping the primitive and insane  … Abstractionism aims to destroy by the creation of brainstorms. Surrealism aims to destroy by the denial of reason.68 J.  Edgar Hoover, der jahrzehntelang dem FBI vorstand und den amerikanischen Literaturbetrieb seit den 1920er-Jahren hinsichtlich subversiver, kommunisti- scher Elemente überwachen ließ, glaubte nicht nur in den Gedichten von Wil- liam Carlos Williams und im Ulysses von James Joyce sowie in den Texten von Djuna Barnes, T.  S.  Eliot und William Faulkner einen Geheimcode zu erkennen, sondern auch in den Texten zahlreicher sozialkritischer Autoren wie Theodore Dreiser, Upton Sinclair und John Steinbeck.69 Hoover hatte ein obsessives Inte- resse an moderner Literatur, er kam aus dem Bibliotheksdienst, hatte eine star- ke, schematische und klassifizierende Beziehung zu Texten und hielt Schriftstel- ler für „potentielle Relaisstationen der kommunistischen Gedankenkontrolle“.70 Unter seiner Ägide etablierte das FBI nicht nur eine „Book Review Section“, deren Aufgabe es war, die literarische Produktion zu überwachen, zu verwalten und zu manipulieren, sondern auch zahllose Arbeitskräfte arbeiteten daran, Bücher und andere Druckwerke nach subversiven Inhalten zu durchforsten. Die Einmischung des FBI endete jedoch nicht bei der Überwachung: Hoover und 67 zit. n. Marilyn S. Kushner: Exhibiting Art at the American National Exhibition in Moscow, 1959. Domestic Politics and Cultural Diplomacy. In: Journal of Cold War Studies  4 (2002) H.  1, S.  6–26, hier S.  15. 68 Caute: The Dancer Defects, S. 545. 69 Carlston: Modern Literatur under Surveillance, S. 621. 70 Ebd. Moderne Kunst als Bedrohung 485
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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