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ihn jedoch in Wirklichkeit auf seine politische Zuverlässigkeit hin überwacht,
erklärt, dass durch Hasils avantgardistische Schachtelkunst die „für die Zukunft
des Kommunismus gefährlichen jungen Künstler auf den rechten Weg“ (K 106
f.)
zurückgeführt werden sollen.
Die Gefahr, westliche Künstlerinnen und Künstler sowie kulturpolitische
Organisationen könnten von den Kommunisten unterwandert und für ihre ideo-
logischen Ziele instrumentalisiert werden, sah Hans Weigel in Bezug auf den
österreichischen PEN-Club gegeben. Weigel griff insbesondere Franz Theodor
Csokor an, der als Präsident des österreichischen PEN-Clubs fungierte und sich
gleichzeitig in der Österreichischen Friedensgesellschaft als Ehrenpräsident
engagierte. Sein Vorgehen, welches sich nicht nur persönlichen Animositäten
verdankte,76 war „in einer Zeit, da auch im österreichischen Nationalrat darü-
ber diskutiert wurde, wie man kulturelle und wissenschaftliche Vereinigungen
von Kommunisten säubern könnte, symptomatisch“77. In der Arbeiter-Zei-
tung führt er aus, dass es eine kommunistische Strategie „zur Erlangung der
absoluten Macht im Staat“ und eine „Taktik der Infiltration in der kulturellen
Sphäre“78 geben würde. Weigel warf dem PEN-Club vor, ein „Brückenkopf des
Stalinismus“ zu sein und folgerte daraus:
In der Frage der Kollaboration mit dem Kommunismus, der offenen und ge-
tarnten Infiltration kommunistischer Agenten, der bewußten und unbewußten
Schützenhilfe für die Moskauer Politik in einem einzigartig exponierten Zentrum
Mitteleuropas hört jedoch die Kulturpolitik auf und die Weltpolitik beginnt.79
Dass während des Kalten Krieges als „humint“ (Human Intelligence), im Jargon
pejorativ als „Spitzel“ bezeichnet, von den Geheimdiensten nicht nur Persön-
lichkeiten aus Wissenschaft und Militär eingesetzt wurden, sondern auch Künst-
lerinnen und Künstler, ist ein Faktum. Diese dienten als Informanten und Agen-
ten für staatliche Agenturen wie das „Federal Bureau of Investigation“ (FBI), das
„Office of Strategic Service“ (OSS) sowie dessen Nachfolger der „Central Intel-
ligence Agency“ (CIA).80 Der Dramatiker Carl Zuckmayer fertigte während des
Zweiten Weltkriegs einen „Geheimreport“ über die politische Zuverlässigkeit
von deutschen und österreichischen Künstlerinnen und Künstler für das OSS
76 Vgl. Wolfgang Straub: Weigel vs. Csokor. Ein anschwellender Bocksgesang 1948 bis 1955. In:
Ders. (Hg.): Hans Weigel: Kabarettist, Kritiker, Romancier, Literaturmanager. Innsbruck, Wien,
Bozen: Studienverlag 2014, S. 81–98.
77 Klaus Amann: Der österreichische PEN-Club in den Jahren 1923–1955. In: Bores, Hanuschek
(Hg.): Handbuch P.E.N., S. 481–532, hier S. 525.
78 Hans Weigel: Gegen die Kulturtarnung. In: Arbeiter-Zeitung, 3.4.1949, S. 5.
79 Ders.: Die Wiener Situation. In: Der Monat 4 (1952) H. 48, S. 665–666, hier S. 666.
80 Vgl. Carlston: Modern Literature under Surveillance, S. 615 f.
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Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918