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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Sie werden mir […] eine genaue Liste der Professoren bringen, mit Angabe der jetzigen und der früheren politischen Zugehörigkeit. Die im Verdacht stehen, mit den Kommunisten in irgendeiner Weise zu sympathisieren, werden gesondert an- geführt, mit genauer Beschreibung, worin diese Sympathie besteht und wie sie sich äußert. Ferner haben Sie bei allen Personen nach dunklen Punkten in ihrem Leben zu forschen. Der eine hat vielleicht mit einer Studentin ein Verhältnis, ein anderer hat im Jahre 1945 etwas aus Akademiebesitz an sich gebracht  … Sie wissen schon, was ich meine. Von diesen drei Personen […] sind unter allen Umständen schwar- ze Punkte zu finden, eventuell von den nächsten Verwandten. (HB 232) Da Leo jedoch angeregt durch Ferdinands Vorbild sein Gewissen entdeckt, erscheint es ihm „desto unmöglicher […] seine Professoren zu denunzieren“ (HB 237) und er wird daraufhin von einem Handlanger des CIC, der dies wie einen Selbstmord aussehen lässt, ermordet. Einen der Kristallisationspunkte des Topos vom Künstler als Spitzel bzw. Handlanger, der im Auftrag der Mächtigen operiert, bildete der CCF. Bereits anlässlich des Gründungskongresses 1950 in Berlin konstatierte Johannes  R. Becher, dass der Organisator der Veranstaltung, der Journalist Melvin  J. Lasky, Herausgeber der antikommunistischen Zeitschrift Der Monat, ein Spitzel des CIC sei und warnte vor amerikanischen Agenten, die in Westberlin ihr literari- sches Unwesen treiben würden.84 Becher, seines Zeichens Präsident des Kul- turbundes der DDR, sah im CCF einen „Spitzel- und Kriegsbrandstifter-Kon- gre[ß]“ und konstatierte, dass es sich bei dem Großteil der Kongressteilnehmer nicht mehr um Schriftsteller, sondern um „Handlanger der Kriegshetzer“ hand- le, eine „Bande internationaler Hochstapler“ und „literarisch getarnte[r] Gangs- ter“, deren „Geschwätz“ nur noch „widerwärtig“ sei, und verkündete, er nähme von den Teilnehmern des Kongresses nur Kenntnis „in dem Sinne, wie man von einem Geschwür Kenntnis nimmt, das darauf wartet, operiert zu werden“.85 Mit ähnlichen Argumentationsmustern erklärte Otto Horn im Tagebuch, wel- che Funktion die Gründung der „Gesellschaft für die Freiheit der Kultur“, der bereits erwähnten österreichischen Parallelaktion zum CCF, hätte, der u.a. Milo Dor, Reinhard Federmann, Peter Strasser, Hans Heinz Hahnl, Christine Busta und Helmut Schwarz angehörten, nämlich dem CCF in Berlin zu dienen. Den Schriftstellern Dor und Federmann warf Horn vor, sie wollten die Brücken zwi- schen Ost und West „zerreißen und zerschlagen, die Welt in zwei Heerlager spalten […] genau wie ihre Hintermänner vom Berliner Kongreß“86. 84 Vgl. Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive, S. 338. 85 Johannes R. Becher: Die gleiche Sprache. In: Aufbau 8 (1950) H. 8, S. 697–703, hier S. 702, zit. n. Prinz: Im Körper des Souveräns, S.  82. 86 Otto Horn: T[age]B[uch] antwortet  … Gespräch mit einer Kollegin, S. 4. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 490 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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