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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Maybruck wird klar, dass der Künstler dazu missbraucht wird, das Prestige des totalitären Regimes zu erhöhen und den Kritikern zu zeigen, dass Künstler uneingeschränkte Freiheiten genießen würden. Künstler wie Maybruck dienen dem Regime dazu, nicht nur ihre künstlerische Überlegenheit zu demonstrie- ren, sondern auch dazu, sich gegenüber dem Westen hinsichtlich seiner demo- kratischen Praxis zu akkreditieren. In einem Vortrag im Jahr 1953 meint Friedrich Heer, dass es um die „‚Freiheit der Kunst‘ […] eigenartig bestellt“97 sei. Heer zufolge könne „keine Macht der Welt“ die Kunst „völlig aufheben, völlig zerstören“, da dem Menschen die „Spie- le der Kunst, das Zeugen und Gebären […] aus der Kraft und Gnade der Frei- heit“98 gegeben ist. Es ist jedoch gerade Heer, der in Der achte Tag. Roman einer Weltstunde (1949) die Auswirkungen totalitärer Systeme auf Künstlerinnen und Künstler und ihr Schaffen mit drastischen literarischen Mitteln vor Augen führt (vgl. Kapitel  5: Materialismus). Der Protagonist des Romans, der Amerikaner John Percy Brown, zählt zur privilegierten Herrschaftskaste der „autonomen Menschheits-Gesellschaft“ und absolviert einen Elitekurs, der ihn auf seine künf- tigen Aufgaben als „BÜRO-Funktionär vorbereiten soll. Das einzigartige Macht- gefüge des „BÜRO“, Heer spricht in einem Brief von der Gleichung „Bürokratie = Liquidierung“,99 umfasst Regionalbüros, Dienststellen, Euthanasieanstalten sowie Arbeits- und Sonderlager auf allen Kontinenten. Der Text bündelt nun die Debatte über die Situation von Kunstschaffenden und ihrer Werke innerhalb eines totalitären Systems in der Beschreibung eines Künstler(konzentrations) lagers namens „Pallas  II“, das Brown am zweiten Tag seines Kurses besucht, sowie im „Wiener Kulturpalast“, der die Führung und Verwaltung der obersten Zen- surstellen vereinigt und den Brown am vorletzten Tag seiner Schulung besichti- gen darf. Ebenso wie die historischen Vorbilder des „BÜROS“, der Nationalso- zialismus und der Stalinismus, bestimmt Heers fiktiver Totalstaat die gesamte Welt der kulturellen Produktion, deren Hauptzweck darin besteht, die von der Diktatur gebilligten sozialen Werte und politischen Ideale in einer Weise zum Ausdruck zu bringen, die das durchschnittliche Publikum überzeugt.100 Heers Roman stellt zunächst die Genese dieser „Künstlerarbeitslager“ in den Vordergrund. Nach dem „Großen Krieg“, der mit Atomwaffen geführt wurde, konnten die künstlerischen Produkte die Erwartungen der Machthabenden nicht mehr erfüllen: 97 Friedrich Heer: Freiheit und Freiheiten der modernen Kunst. Die Aufgaben der Presse: Zwei Vorträge. Linz: o.  V. 1953, S.  2. 98 Ebd., S. 15. 99 Vgl. Lewandowski: Hermann Gohde: Der achte Tag (1950), S. 77. 100 Richard Overy: Die Diktatoren. Hitlers Deutschland, Stalins Rußland. München: Deutsche Verl.-Anstalt 2005, S.  467. Künstler und Kunstwerk im totalitären System 495
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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