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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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liers von bewaffneten Posten bewacht arbeiten und die künstlerischen Materialien nur nach strenger Limitierung verteilt werden. Die ausführliche Beschreibung dieses Lagers im Text verknüpft dieses System mit der zentrali- sierten Organisation der Kultur im nationalsozialistischen Deutschland und im Stalinismus. Brown beschreibt das fiktive „Künstlerlager“ als „[n]ahezu ein Irren- haus“ (AT 76): Hunderte weißgekittelter Männer und Frauen arbeiten in jedem dieser Ateliers; […] Dann gibt es hier noch Großateliers, in denen Teams, Gruppen von meist jüngeren Künstlern an Gemeinschaftswerken arbeiten, in denen aber auch einzel- ne ‚Asse‘, berühmte und hochgeschätzte ‚Artisten‘ – dies der offizielle Name des ausgelernten, geprüften und in das Künstlerkollektiv eingewiesenen Vollkünstlers –, an der Erstellung von Sonderaufträgen arbeiten. (AT 77) Diese düstere Beschreibung des kollektiven künstlerischen Schaffensprozesses bei Heer findet in Arno Schmidts Kurzroman Die Gelehrtenrepublik (1957) eine Wendung hin zum Lächerlichen. Das „Literaturkombinat“ auf der russischen Seite der „International Republic for Artists and Scientists“, die sich auf einer schwebenden, propellerbetriebenen Insel befindet, stellt sich der Hauptfigur, dem Journalisten Charles Henry Winer, wie folgt dar: „Im Konferenzzimmer (so sah es nämlich ungefähr aus: ein langer hufeisenförmi- ger Tisch. Obenan, neben einer Geschwindschreiberin, ein spitzbärtiger Herr. Auf jeder Außenseite 4 angespannt lauschende Dichter; also 8, davon 3 Frauen). […] Zwischendurch auch hastige Erklärungen auf Fragen : der Roman spielte in einem Kaufhaus : das fing soeben, gegen Ende, und symbolisch genug, an, zu brennen! – Der Spitzbart vorne ballte die Faust – (er war der eigentliche, für die Konstruktion verantwortliche Mann) – und las vor : ‚Er taumelte zur Tür herein, und bemerkte …..‘“104 Daraufhin bricht eine heftige Diskussion um das Wort „taumelte“ aus, und eine „Verbschlacht“ beginnt. Auf die Frage von Winer an seine russische Dolmet- scherin: „Sie meinen also tatsächlich, daß ein Kunstwerk kollektiv hergestellt werden könnte?“, erwiderte diese erstaunt „Abärrjá!“105 In der „autonomen M.G.“ ist – ebenso wie in der Sowjetunion – der künst- lerische Individualismus der Feind der offiziellen, kollektivistischen Kultur.106 104 Arno Schmidt: Das erzählerische Werk in acht Bänden. Bd. 5. Die Gelehrtenrepublik. Zürich: Haffmann 1985. S.  109. 105 Ebd. 106 Vgl. Overy: Die Diktatoren, S. 471. Künstler und Kunstwerk im totalitären System 497
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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