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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Irrenhaus (Frankfurt/M.: Possev 1965), die im Westen veröffentlicht wurden110 (vgl. Kapitel  10: Krankheit). In Heers Dystopie sind Künstlerinnen und Künst- ler von einer hohen Selbstmordrate betroffen, besonders wenn die offiziellen Arbeitsaufträge ausbleiben. Die privilegiertesten unter den Künstlerinnen und Künstlern im Achten Tag, die als „Artisten“ bezeichneten „Meister“ der jeweiligen Kunstrichtungen, unter- richten nicht nur den künstlerischen Nachwuchs (AT 78  f.), sondern haben auch die Aufgabe der „Umschulung und Ausrichtung der gesamten Lagerbelegschaft auf einen neuen, vom BÜRO dekretierten Stil, beziehungsweise auf neue Auf- gaben, Werksaufträge, Planungen etc.“ (AT 79). Diese Uniform tragenden Lehr- kräfte bilden ein „Führerkorps für sich“ und sind „nicht lagergebunden“ (ebd.). Auch in den sowjetischen Gulags waren „Umschulung“ und „Umerziehung“ erklärte Ziele, die sowohl durch amtliche Methoden als auch durch eine Kultur- und Erziehungsstelle verfolgt wurden. Dort sollten die Häftlinge jedoch nicht durch die sogenannten „Kulturniks“ als vielmehr durch die „Kameraden und […] die Umstände“111 umerzogen werden, wie Alexander Solschenizyn schreibt. Er zitiert den zynischen Kommentar aus einem Sammelband über die „Straf- und Erziehungsanstalten“: Dem Aufbau des Gefängniswesens, wie in den kapitalistischen Ländern gepflegt, stellt das Proletariat der UdSSR den kulturellen Aufbau […] entgegen. Die Anstal- ten, in denen der proletarische Staat den Freiheitsentzug verwirklicht … könnten Gefängnisse oder irgendwie anders genannt werden – es geht hier nicht um die Terminologie. Es sind Stätten, in denen das Leben nicht abgetötet wird, sondern neue Keime sprießen läßt  …112 Ein im Achten Tag auftretender Chefartist, der von einem Kongress in Holland zurückgekehrt ist, auf dem die neuesten (Kunst-)Direktiven beschlossen wur- den, erklärt Brown: „Der neue Stil […] schreibt starke Schwellungen, Hebungen und Senkungen vor, ein heroisches Pathos, das […] fast an den Barock erinnert, den bisher verpöntesten Stil einer vergangenen reaktionären Epoche.“ (AT 80) Diese oft willkürlichen Änderungen des kulturpolitischen Kurses entsprechen der Praxis totalitärer Systeme, die den politisch akzeptablen kulturellen Inhalt definierten, und jene Kunstschaffenden unterstützen, die ihn realisierten.113 Sol- 110 Vgl. Laß: Vom Tauwetter zur Perestroika, S. 197  f. 111 Solschenizyn: Der Archipel GULAG, S. 449. Vgl. zur Kultur in den Gulags das 18. Kapitel „Die Musen im GULAG“, S.  449–483. 112 Von der Straf- zur Erziehungsanstalt, S. 431, 429, 438, zit. n. Solschenizyn: Der Archipel GULAG, Bd.  2, S.  449. 113 Vgl. Overy: Die Diktatoren, S. 477. Künstler und Kunstwerk im totalitären System 499
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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