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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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von Banalitäten, Blasphemien, Sexualität und anderen Körperfunktionen gerei- nigt werden müssten. Die sowjetischen Zensoren hatten die Aufgabe, die litera- rischen und filmischen Produkte so zu „verbessern“, dass die Öffentlichkeit den Werken die jeweils aktuelle Parteilinie entnehmen konnte und sie waren dafür verantwortlich, dass alle von ihnen untersuchten Kunstprodukte eine „klare und eindeutige Botschaft oder ‚Einsinnigkeit‘ enthielten“.118 Die Titel unterdrückter Literatur von sowjetischen und ausländischen Autoren wurden auf eine schwar- ze Liste gesetzt, die Bücher eingezogen und dem NKWD übergeben, der sie in verschlossenen Räumen einlagerte. Als einzigartiger Eingriff der Machthaber in der sowjetischen (Zensur-)Geschichte gilt die Beschlagnahmung des Romans Leben und Schicksal von Wassili Grossman durch den KGB, nachdem dieser das Manuskript in der Redaktion der Zeitschrift Snamja vorgezeigt hatte. Grossman hatte in seinem Roman nicht nur die Lebensrealität der sowjetischen Bevölke- rung beschrieben, sondern auch das sowjetische und nationalsozialistische System parallelisiert, indem er sowohl die Konzentrationslager als auch die Gulags aus- führlich beschrieb.119 Hier wurde nicht der Autor, sondern das Werk, angefan- gen von den Notizen und Entwürfen bis hin zur Reinschrift, dem Durchschlag- papier sowie den Farbbändern aus der Schreibmaschine, Objekt der polizeilichen Methoden. Der Roman „wurde nicht weggenommen, nicht beschlagnahmt, nicht konfisziert, sondern verhaftet wie ein lebendiger Mensch“.120 Dass die Unterbindung der freien Meinungsäußerung letztlich sowohl im Faschismus als auch im Stalinismus „nicht auf formalen Systemen einer Zensur, sondern auf dem psychischen und physischen Zwang, der auf jene Künstler, Schriftsteller, Filmregisseure, Theaterproduzenten und Verleger ausgeübt wur- de, welche die Werte der offiziellen Kultur in Frage stellten“121 beruhte, findet in den invasiven Praktiken des „Kulturpalasts“ seine Entsprechung, der die Bezeichnung „‚Nonconformist‘“ eingeführt hat, die als „das ärgste Schimpfwort“ (AT 341) gilt. Denjenigen, die sich nicht an die „Linie“ des „BÜROS“ halten, etwa Gelehrte, die „wissenschaftliche Werke über völlig abwegige oder gar uner- wünschte Themen schrieben, und dergestalt ihre Arbeitskraft ‚gewissenlos ver- geudeten‘“ (AT 341) droht Schlimmes. Dies erklärt ein „Oberinspizient der Grup- pe ‚Lyrik‘“ (AT 336), mit dem Brown ins Gespräch kommt. Er erzählt erklärt euphemistisch, dass die bekannten Lyriker Weidenbein und Rosentot „durch unsere Kur gegangen“ (ebd.) wären: „Das hätten Sie sehen sollen, den Mist, den 118 Ebd. 119 Das Lagerthema war 1960, zwei Jahre vor Erscheinen von Alexander Solschenizyns Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch in der Sowjetunion noch tabu. 120 Vgl. Wladimir Woinowitsch: Leben und Schicksal des Wassili Grossman. In: Wassili Grossman: Leben und Schicksal. 6.  Aufl. Berlin: Claassen 2007. S.  1059–1068, hier S.  1061. 121 Overy: Die Diktatoren, S. 489. Künstler und Kunstwerk im totalitären System 501
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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