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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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sische Leserschaft dieser Texte, wie anzunehmen ist, zum Großteil bereits aus ‚Bekehrten‘ bestand, darf als Intention dieser Darstellungen erfolgreicher Kon- versionen und Bekehrungen die Bestätigung der eigenen ideologischen Prämis- sen angenommen werden. Bei den Texten aus dem antikommunistisch orien- tierten Segment des Literaturbetriebs fällt auf, dass Konversionserzählungen nur im Zusammenhang mit einer religiösen Neubesinnung vorkommen. Konversion/Bekehrung Die Narrative der Konversion und der Bekehrung finden sich also besonders in solchen Texten, die eine bestimmte Überzeugung auch bei den Lesenden bestär- ken oder hervorrufen möchten. Diese Texte zeichnen sich durch die Radikalität der dargestellten ideologischen Wandlung, durch die Einbettung der ideologi- schen Überzeugung von Protagonisten und Protagonistinnen in deren empiri- sche Erfahrung und vor allem in deren zwischenmenschliche Beziehungen aus. Bekehrung/Konversion und Opfer Ein deutliches Zeichen für die Ernsthaftigkeit einer ideologischen Entscheidung oder eines neuen Bekenntnisses ist es, wenn diese Entscheidung trotz des Risikos getroffen wird, für dieses Bekenntnis getötet zu werden. Hinzu kommt, dass die Ermordung des Abtrünnigen durch sein früheres Umfeld dessen Zwangscharak- ter enthüllt und das Opfer Märtyrerstatus erlangen kann. Dies demonstrieren die Dramen Kurt Becsis (Russische Ostern, 1959) und Helmut Schwarz’ (Die Beför- derung, 1963), in denen jeweils die Wandlung eines Protagonisten vom Anhän- ger eines militanten kommunistischen, atheistischen Systems zu einem beken- nenden Anhänger des Christentums dargestellt wird. In beiden Fällen bezahlt der Protagonist mit dem Leben und wird zum Märtyrer, da das totalitäre Regime den ‚Verrat‘ bzw. Wechsel der ideologischen Ausrichtung nicht toleriert. Der Diskurs des politischen Seitenwechsels ist immer schon eng mit dem reli- giösen Diskurs verbunden.12 Die Parallelen der politischen ‚Konversion‘ zur religiösen werden auch im zeitgenössischen Diskurs betont.13 So beginnt Art- hur Koestler seinen Beitrag in der Anthologie Ein Gott, der keiner war mit der Behauptung: „Ein Glaube wird nicht durch sachliche Überlegungen erworben. Wer sich in eine Frau verliebt oder in den Schoß der Kirche eingeht, tut dies 12 Vgl. Rohrwasser: Der Stalinismus und die Renegaten, S. 42–45. 13 Vgl. neben Koestler, Silone [u.a.] (Hg.): Ein Gott, der keiner war, Kuhn: Bruch mit dem Kom- munismus, S.  25–35. Krüger spricht sogar vom Kommunismus als einer „politische[n] Kirche“. Krüger: Einleitung, S.  12. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 508 13 Konversion, Bekehrung, Renegatentum. Narrative des Seitenwechsels.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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