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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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nicht auf Grund logischer Denkvorgänge.“14 Koestler vergleicht im Weiteren die psychologischen Beweggründe für das politische Bekenntnis zum Kommu- nismus mit denen für religiöse Bekenntnisse und das Ideal des Kommunismus mit dem Urchristentum. Irrationale Beweggründe werden als Grund für die reli- giöse ebenso wie die politische Konversion angeführt. Tatsächlich finden sich in kommunistischen und religiösen Konversions- und Bekehrungserzählungen ähnliche Textstrategien. So scheint besonders die Gattung des Dramas dazu geeignet, eine radikale, in einem relativ kurzen Zeitraum angesiedelte ideologi- sche Wandlung zu zeigen. Kurt Becsis Russische Ostern knüpft an die Tradition des expressionistischen Wandlungsdramas an, das seinerseits „den religiösen Weg von der Reue und Buße zur Besserung“15 als narrative Folie übernimmt. Die Figurenkonstellation in Rus- sische Ostern ist minimalistisch. Neben dem orthodoxen sowjetischen Biologie- professor Krasin und seinem Assistenten, dem jungen Biologen Wladimir Alexandrowitsch Marakow, gibt es nur noch eine kleine Gruppe von Mönchen, die ein abgelegenes Kloster am Meer in Norwegen bewohnen. Dort stürzen immer wieder Massen von Lemmingen zu Tode, ein Phänomen, das die Biologen unter- suchen und für den wissenschaftlichen Fortschritt nutzen wollen. Der für das Wandlungsdrama typische „Vater-Sohn-Konflikt“,16 der mit der gewünschten oder tatsächlichen Ermordung des konservativ-christlichen Vaters endet, wird bei Becsi invertiert: Für den atheistischen sowjetischen Biologieprofessors Kra- sin bricht eine Welt zusammen, als sein Assistent und Nachfolger Marakow die materialistische, wissenschaftliche Weltanschauung negiert und stattdessen eine religiöse, auf die Existenz individueller Seelen und absoluter Moralvorstellungen gegründete Lehre proklamiert. Über das kommunistische Kollektiv äußert sich der zum Christentum bekehrte Jungwissenschaftler schließlich folgendermaßen: [E]s ist die Organisation der Insekten und Lemminge, die Organisation des To- desmarsches. Das ist das Kollektiv! [...] Vielleicht ist es einmal notwendig gewe- sen, Kollektive zu bilden. Jetzt aber ist es der Tod! Noch ist uns ein einziger Weg geblieben: um uns zu retten, damit der Geist alles wandle  ... [...] Wir müssen es zerschlagen! (RO 107) 14 Arthur Koestler: [o.T.]. In: Koestler, Silone [u.a.] (Hg.): Ein Gott, der keiner war, S.  21–82, hier S.  21. 15 Hans Esselborn: Das Drama des Expressionismus. In: Hans Joachim Piechotta, Ralph-Rainer Wuthenow, Sabine Rothemann (Hg.): Die literarische Moderne in Europa. Bd.  2, Formationen der literarischen Avantgarde. Opladen: Westdt. Verl. 1994, S.  271–282, hier S.  271. 16 Esselborn: Das Drama des Expressionismus, S. 271. Konversion/Bekehrung 509
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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