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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Wie für Wandlungsdramen typisch,19 versucht Russische Ostern mit dem Pro- tagonisten auch das Publikum zu bekehren. Das Opfer dient dabei zur Demons- tration einer grenzenlosen Überzeugung, die sich auf die Rezipierenden über- tragen soll. Ebenfalls als Wandlungsdrama kann Helmut Schwarz’ Die Beförderung ange- sehen werden. Hier ist das Subjekt der Konversion ein junger Leutnant, der einem „der totalitären Systeme von heute“ (B 21) dient und von diesem auf die Probe gestellt wird, ob es ihm möglich ist, zugunsten des Regimes jeglichen Humanis- mus, der mit dem Christentum gleichgesetzt wird, zu unterdrücken. Beim Gespräch mit seinem früheren Lehrer am Priesterseminar erfährt der Leutnant ihm bisher unbekannte Umstände aus seiner eigenen Biographie, die seine Bekeh- rung auslösen. So hatte er seinen Bruder und seinen Lehrer für Verräter gehal- ten, was nicht den Tatsachen entspricht. Zudem erfährt er, dass die Frau, die er auf Geheiß der Partei verließ, aus Kummer darüber ihr gemeinsames Kind ver- loren hat. Ihre Briefe wurden ihm vorenthalten. Angesichts dieser Enthüllun- gen20 und des Gesprächs mit dem religiös überzeugten Lehrer bekennt auch der Leutnant sich zu seinem früheren Glauben, obwohl er dafür den Tod zu gewärtigen hat. Die perfiden Vertreter des Regimes fürchten allerdings, der Kon- vertit könnte bei einer offiziellen Hinrichtung zum Märtyrer werden und so den Gegnern nützen, weshalb man ihn zum Minenentschärfen abkommandiert. Das totalitäre Regime führt einen verbissenen Kampf um die Macht über seine Mit- glieder und wird durch eine ideologische Abkehr am härtesten getroffen.21 Der Text betont die unbedingte Sinnhaftigkeit dieser Konversion durch den Todes- mut des Konvertiten. Er ist wie Becsis Russische Ostern auf Überzeugung oder Bestärkung des Publikums in Bezug auf die christliche Ideologie und die Bekämp- fung des atheistischen Kommunismus abgestellt. Der Text versucht dies durch die Identifikationsfigur des Leutnants zu erreichen, die sich im Laufe der stark emotionalisierenden Handlung sukzessive von der besseren Alternative des Christentums überzeugen lässt. Das Narrativ des sich für seinen neuen Glauben opfernden Konvertiten oder Neubekehrten funktioniert aber auch in entgegengesetzter politischer Richtung. Ernst Fischers fünfaktiges Drama Der große Verrat (1950) beinhaltet eine Bekeh- rungserzählung, in deren Verlauf ein zunächst politisch indifferenter junger Mann namens Diego, der Sohn des Protagonisten Pablo Malabranca, vom Kom- 19 Esselborn: Das Drama des Expressionismus, S. 271. 20 „Die Phase der inneren Abwendung hat ihren Ursprung immer im Zusammenstoße mit der sozialistischen Realität.“ Krüger: Einleitung, S.  16. 21 Vgl. zur Auswirkung von persönlicher Unzufriedenheit mit dem Regime auf den Untergang der Sowjetunion Paul Hollander: Politcal Will and Personal Belief. The Decline and Fall of Soviet Communism. New Haven, London: Yale Univ. Press 1999. Konversion/Bekehrung 511
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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