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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Gemeinsames Glück – gemeinsame Politik Ein Beispiel für eine Wandlungsgeschichte in Zusammenhang mit einer Liebes- geschichte ist Franz Kains Romeo und Julia an der Bernauer Straße (1955). Der in Ostberlin beheimatete Heiner Schradow und die in Westberlin lebende Hel- ga Kowalski lernen sich in einem Ostberliner Tanzlokal kennen. Ihre Sympathie ist innerhalb der erzählten Geschichte nicht traditionslos, denn die Väter der beiden waren vor 1946 Parteifreunde innerhalb der SPD. Vater Schradows Wech- sel zur SED bedingt den Bruch, der mit dem Bruch zwischen den Arbeiterpar- teien in Ost- und Westberlin bzw. Ost- und Westdeutschland parallelisiert wird. Die Liebe zwischen Heiner und Helga symbolisiert das Interesse an einer Koope- ration linker Parteien in Ost und West, deren Bedingung aus kommunistischer Sicht allerdings eine Anerkennung der SED-Politik wäre. Dementsprechend fällt die Wahl des Paares in Bezug auf den gemeinsamen Wohnort schließlich zuguns- ten Ostberlins aus. Helga lässt sich also durch ihre Bekanntschaft mit Heiner dazu bewegen, ein Leben unter der kommunistischen SED-Politik zu wählen, deren System als wirtschaftlich überlegen dargestellt wird. Allerdings ist sie nicht die einzige Bekehrte, da Heiner zu Beginn der Handlung selbst politisch indifferent und skeptisch ist. Durch ihre politischen Differenzen und ihre persönliche Sympa- thie werden beide zum Vergleich der Systeme angeregt. Erst durch die Beschäf- tigung mit Fragen des Ost-West-Gegensatzes gelangt das junge Paar zur Über- zeugung, dass Ostberlin die besseren Lebensbedingungen bieten würde. Kain kombiniert das Narrativ der Augenzeugenschaft bzw. des konkreten Erlebens, das auch in Reiseerzählungen (vgl. Kapitel  3: Romeo und Julia) zu fin- den ist, mit dem Handlungsmoment der Liebesbeziehung, um die Bekehrung zum Kommunismus überzeugender zu gestalten. Der Text führt vor, wie das Paar ideologische Vorurteile selbst überprüft, anstatt sie einfach zu übernehmen. Tatsächlich ist das Moment der konkreten Erfahrung der kritische Punkt, an dem sich die kommunistische Ideologie beweisen muss. Der Text arbeitet mit der Fiktion der objektiven Vergleichbarkeit, weshalb die unterschiedlichen ideo- logischen Vorprägungen der beiden Verliebten zu einer gemeinsamen Überzeu- gung führen können. Diese konstruierte Objektivität zeichnet die kommunisti- sche Propagandaliteratur vielfach aus. Die Bekehrung des Intellektuellen durch die Frau Ernst Fischer verwendet in seinen Dramen Frauenfiguren, um junge Männer, die sich aus Freiheitsdrang und Individualismus nicht zum politischen Engage- ment für den Kommunismus entscheiden können, zu bekehren. In Der große Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 516 13 Konversion, Bekehrung, Renegatentum. Narrative des Seitenwechsels.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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