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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Verrat ist diese Strategie noch etwas schwächer ausgeprägt als in der zwei Jahre später aufgeführten Komödie Die Brücken von Breisau. Schon im früheren Stück wird die Problematik des Dritten aufgeworfen, der sich weder für noch gegen die politischen Ziele des Kommunismus einsetzt, sondern einen Weg der per- sönlichen Freiheit zu gehen sucht. Die Figur Malabrancas sucht diesen Weg aus machtpolitischen Gründen, sein Sohn Diego aus individualistischen.32 Diego wird als unzufriedene, kritische Figur eingeführt, die sich in die staatlich koor- dinierte Produktion nicht problemlos einfügt. Diese Eigenschaften teilt er mit der Figur des Intellektuellen.33 Als Grund dafür, dass Diego „sich von allen Genossen zurückgezogen“ (GV 9) hat, sieht der stellvertretende Ministerpräsident Maduros die ausgeprägte Bürokratie und Massengesellschaft sowie den Militarismus in den sozialistischen 32 Fischer tolerierte um 1950 keine dritten Positionen: „[D]ie ‚russische Frage‘ geht alle an, hier gibt es keine Indifferenz. Der Antagonismus der beiden Welten, der untergehenden Bürgerwelt und der aufsteigenden Welt des Sozialismus, ist der wesentliche Inhalt des zwanzigsten Jahr- hunderts: nichts bleibt davon unberührt.“ Ernst Fischer: Roman des Bürgerkriegs. Ein Vorwort zur Trilogie ‚Der Leidensweg‘ von Alexej Tolstoj. In: Ders.: Kunst und Menschheit. Wien: Glo- bus 1949, S.  7–34, hier S.  9  f. 33 Fischer thematisiert in Der große Verrat die Figur des jugendlichen Individualisten und Anar- chisten laut Helmut Peitsch vor dem Hintergrund einer aktuellen zeitgenössischen Debatte über die Gefahr der nicht eindeutig positionierten Intellektuellen, die u.a. von Georg Lukács und Alexander Fadejew getragen wurde. Fischer unterstützte deren Standpunkt oder übertraf ihn mit Der große Verrat sogar. Er habe sich auch in seinem Beitrag „Das intellektuelle Eunu- chentum“ auf dem Weltfriedenskongress in Wrocław über die zahlreichen Intellektuellen kri- tisch geäußert, die einen ‚dritten Weg‘ zwischen der Sowjetunion und dem Antikommunismus zu gehen versuchen und dadurch den ‚Imperialismus‘ unbewusst unterstützen würden. Vgl. Helmut Peitsch: Vorbilder, Verräter und andere Intellektuelle. DDR-Friedensdramatik 1950/51. In: Ulrich Profitlich (Hg.): Dramatik der DDR. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1987, S.  98–127. Lukács spricht bei demselben Weltfriedenskongress von „heute heranwachsenden faschistischen Ten- denzen in den USA“ und verbindet diese mit einer nihilistischen und fatalistischen Weltan- schauung unter den Intellektuellen, vgl. Georg Lukacs [sic!]: Die Intelligenz am Scheidewege, S.  3  f. Fischer schreibt etwa zur selben Zeit über „Künstler des kapitalistischen Zeitalters“. Ernst Fischer: Von der Notwendigkeit der Kunst. In: Ders.: Kunst und Menschheit, S.  101–169, hier S.  139: „Die lebendige Beziehung des Künstlers zu einem Auftraggeber und zur Gesellschaft überhaupt ist zerrissen.“ Während Intellektuelle und Künstler um 1950 noch problematisch erscheinen, werden sie in einem 1957 verfassten Artikel Fischers mit dem Titel Die unbeque- men Intellektuellen für ihre Funktion als Kritiker des Regimes gelobt: Man solle „dieses Grü- beln, diese Beunruhigung des Gewissens, diesen inneren Kampf im Bewußtsein vieler Intel- lektueller nicht verurteilen“. Ernst Fischer: Die unbequemen Intellektuellen. In: Tagebuch  12 (1957) H.  1, Jänner, S.  1  f., hier S.  1. Vgl. neben Diskussionen zahlreicher Intellektueller in den folgenden Heften Fischer: Ein Gespräch mit Arbeiterfunktionären über Intellektuelle, Wahr- heit, Humanität und Klassenkampf. (Ich, Josef, Karl, Franz). In: Tagebuch  12 (1957) H.  2, Februar, S.  12. Vgl. zum Intellektuellen als Typus, der dem Renegatentum in Täter- und Opfer- rolle besonders nahesteht, Rohrwasser: Der Stalinismus und die Renegaten, S.  29–31. Konversion/Bekehrung 517
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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