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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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mit neuem Inhalt: Volk. Menschheit. Frieden. Wahrheit. Liebe. Hedwig: Liebe?“ (BB 60) Am Ende des Dramas stellt sich bei Heinz zunehmende Begeisterung über die Erfolge der politischen Bewegung ein, die „in nationaler Einheitsfront“ (BB 72) mit der Parole „Ami, go home!“ (ebd.) für „Deutschland! Einheit! Frieden!“ (ebd.) eintreten: „Heinz (mit Barbara im Vordergrund): Alles gewonnen, Barba- ra! (Er wirbelt sie im Kreis herum.) Das ist das große, schöne, wilde Leben! Deutschland und Frieden und Barbara!“ (ebd.) Sie selbst ist weniger enthusias- tisch, jedoch ebenfalls zuversichtlich, was Heinz’ politische Wandlung angeht: „(Zeigt auf die Bürgermeister.) Mit denen gibt’s noch viel zu tun. Vielleicht auch (zeigt auf Heinz) mit dem da. Aber es wird schon gehn.“ (ebd.) Auch in Fischers zweitem Drama wird eine Bekehrung dargestellt, die durch die Zuneigung einer männlichen Figur zu einer weiblichen Figur angetrieben wird, aber auch durch den Wunsch nach Sinn und Orientierung. Die anfangs abgelehnte Weltanschauung stellt letztlich doch ein Bedürfnis für Fischers Figu- ren dar. Diese sinngebende Funktion ist einer der Gründe für die Attraktivität des Kommunismus: „er kann nicht nur die Welt interpretieren, er kann auch der individuellen Existenz eine eigene Sinnmitte erschließen. Er kann ihr ihre his- torische Bezogenheit auf das Schicksal des Kollektivs zeigen.“36 Die Einbettung von Einzelpersonen in als sinnvoll erfahrene soziale Beziehungen wird so von Fischer propagandistisch auszuwerten versucht. Freundschaft und Sympathie spielen auch bei der ideologischen Wandlung der Figur des Malers und Intellektuellen Ferdinand Krenek in Susanne Wantochs Roman Das Haus in der Brigittastraße (1955) eine Rolle. Wie in Franz Kains Romeo und Julia an der Bernauerstraße betrifft in Wantochs Roman die Bekeh- rung von der politischen Heimatlosigkeit zum kommunistischen Engagement zwei Figuren: Die Textilfabriksarbeiterin Martha Stanzl erlebt die Paarbeziehung als enttäuschend, sie muss sich ein ökonomisch und weltanschaulich gesichertes Leben ganz allein aufbauen. Zugleich emanzipiert sie sich als politisches Subjekt durch ihr politisches Engagement als Betriebsrätin, das vom Roman nicht von einem kommunistischen Engagement abgegrenzt wird. Ihre Bekehrung wird nicht durch eine Beziehung initiiert; anders verhält es sich mit der Wandlung des Malers Krenek, dem gegenüber sie Freundschaftlichkeit und Menschlichkeit beweist, wodurch Krenek sich angesprochen fühlt. Der weltanschaulich ortlose Maler hatte einen Selbstmordversuch durch eine Schlafmittelüberdosis unter- nommen, da er mit den Bedingungen der kapitalistischen Welt nicht zu Rande kommt. Stanzl findet ihn in schlechter Verfassung vor und kümmert sich um ihn. Das gibt Krenek eine neue Perspektive: „Eine wildfremde Person war gekom- men und hatte sich seiner erbarmt, als alle, die nach Blut und Freundschaft ihm 36 Krüger: Einleitung, S. 13. Konversion/Bekehrung 521
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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