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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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haben, sich jedoch nicht zur Unterstützung des Kommunismus entschließen können: Redjacket: ‚Eins versteh ich nicht, Billy.‘ Billy: ‚Was denn?‘ Redjacket: ‚Wie dein Vater immer noch an dieser alten dummen Gewerkschaft hängen kann ... Die ist doch schon lange nichts mehr wert.‘ Billy: ‚Hängen tut er, glaub ich, nicht mehr dran  ...‘ Redjacket: ‚Aber von den Kommunisten will er auch nichts wissen. Er ärgert sich doch jedesmal, wenn ein Flugblatt herauskommt.‘ Billy: ‚Ja, er sagt, die machen alles noch ärger. Man muß sich verständigen, sagt er. Mit Gewalt wird nichts, sagt er. Der Umsturz muß langsam kommen, – auf güt- lichem Weg  ...‘ Redjacket: ‚Langsam  ... auf gütlichem Weg  ... Auf gütlichem Wege werden wir alle noch vor Hunger krepieren. [...] Vom gütlichen Wege faseln auch immer diese Gewerkschaftler. Jetzt sieht er, wie sie ihm helfen.‘ Billy: ‚Man hat schon seinen Kummer mit seinen Eltern, Redjacket, das kannst du mir glauben. Immer liest mein Vater diese Magazine, wo so schreckliche Sachen über Rußland drin stehen, von Hungern und Totschießen und Prügeln und was weiß ich, was noch. Die bringt ihm immer die Dame, die von der Pfarrgemeinde zur Mutter kommt. die Mutter sagt immer: „Oh Gott, wenn nur wir hier in Amerika nicht auch so schreckliche Verhältnisse bekommen!“ Sie sind beide halb verrückt vor Angst. Du weißt doch, die Sally hat schon in beide hineingeredet, wie in kranke Pferde, daß sie nicht jeden Dreck glauben sollen, der in so einer Zeitung steht. Deine Sally ist im klei- nen Finger vernünftiger als meine beiden Alten zusammengenommen.‘ (SB 68  f.)39 Diese Textstelle wird deshalb so ausführlich zitiert, weil die politische Einstel- lung der Eltern wie auch die politische Meinung der Jugendlichen hier auf den Punkt gebracht werden. Die Jugendlichen erhoffen sich von den Erwachsenen einen radikalen kommunistischen Aktivismus, der auch Bereitschaft zur Gewalt impliziert. So meinen sie, dass Billys Eltern so „vernünftig“ wie Sally sein soll- ten, die von der kommenden „Weltrevolution“ überzeugt und der Meinung ist, dass deren Gegner schließlich „an die Laternen kommen“ (SB 69). Dieser Radi- kalismus wird in Lazars Roman in keiner Weise problematisiert. Der Terror in der Sowjetunion erscheint nur insofern im Text, indem er als bloße Lügenpro- paganda abgetan wird (vgl. Kapitel  6: Österreichische Gulag-Literatur). Die Kin- der werden als klüger dargestellt als ihre Eltern, da sie diese ‚Lügen‘ durchschau- en, während die Eltern „verrückt“ sind und „jeden Dreck glauben“. 39 Der dialogische Charakter dieser Passage, den man sonst aus dramatischen Texten kennt, stellt eine Ausnahme innerhalb des Romans dar. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 524 13 Konversion, Bekehrung, Renegatentum. Narrative des Seitenwechsels.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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