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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Um Billys Eltern zu einer ideologischen Umorientierung zu bewegen, setzen die beiden Burschen einerseits auf die wachsende materielle Not der Arbeiter- schaft in den USA, welche zu Aktivismus antreibt, andererseits auf ideologische Beeinflussung. Zuerst werden die Eheleute Smith von Sally eingeladen, die ihnen Geschichten über die Verhetzung von Arbeitern zu Pogromen im zaristischen Russland erzählt. Später sind sie bereits soweit umgestimmt, dass sie sich von ihrem Sohn dazu bringen lassen, den Vortrag eines Propagandisten aus der Sow- jetunion anzuhören. Sally wundert sich über diese Wandlung der Eltern Smith: „Es ist unglaublich, was sich die beiden Smith von dem Jungen gefallen lassen, [...]. Wenn Billy erklärt, seine Mutter geht mit [zum Vortrag des Sowjetvertre- ters, Anm. d. Verf.], geht sie mit.“ (SB 103) Damit die Erwachsenen beim Hören dieses Vortrags nicht durch die Polizei gestört werden, lenkt die Arbeiterjugend die Polizeibeamten der Stadt mit einer großen Kinder- und Jugenddemonstra- tion ab. Die Kinder und Jugendlichen erscheinen in diesem von der historischen Wirklichkeit in den USA weit entfernten Wunschdenken als Vorbilder und Weg- bereiter für die Konversion ihrer Eltern zum Kommunismus. Die Frau als politische Initiandin Um die Mitte des 20. Jahrhunderts waren politische Meinungsäußerungen von Frauen diskursiv noch marginalisiert oder hatten überhaupt keinen Raum. Frau- en, die sich politisch zu engagieren wünschten, fanden in sozialistischen und kommunistischen Kreisen eher Zuspruch.40 Ein Grund für die Konversion zum Kommunismus konnte deshalb für Frauen durchaus auch der Wunsch nach öffentlicher politischer Arbeit sein. Unter den untersuchten Texten finden sich ein Roman und eine kurze Erzählung, in denen Frauen sich dem Kommunismus zuwenden oder sich zu dessen Unterstützung entscheiden und sich zugleich als politische Subjekte emanzipieren. In Susanne Wantochs Das Haus in der Brigittastraße geht die zunehmende politische Aktivität der Protagonistin Martha Stanzl mit deren Emanzipation aus der Bindung an einen Mann einher. Am Beginn der Handlung lebt die Kriegs- witwe und Arbeiterin als Untermieterin bei ihren Eltern und schläft auf einem Klappbett in der Küche. Als sie sich in Kurt, einen verheirateten Mann, verliebt, wünscht sie sich eine eigene Wohnung, für deren Finanzierung sie ihre Fabrik- sanstellung unbedingt zu brauchen glaubt. Da der Fabriksbesitzer politisch sozi- al engagierte Mitarbeitende bevorzugt entlässt, enthält sie sich jeder Tätigkeit 40 Österreichische Frauen, die nach 1945 in diesen Umfeldern die Möglichkeit zu journalistischer und schriftstellerischer Arbeit fanden, waren u.a. Doris Brehm, Anneliese Fritz-Eulau, Friedl Hofbauer, Anna Hornik, Auguste Lazar, Mira Lobe, Eva Priester und Marie Rapp. Konversion/Bekehrung 525
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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