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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Sinne des Kommunismus verbunden. Damit wird versucht, speziell für Leserin- nen einen Identifikationsanreiz zu bieten, indem der von der patriarchalen Gesell- schaft als idealer weiblicher Lebensentwurf propagierte dienende Part in einer Zweierbeziehung als Betrug entlarvt wird. Ein berühmter Text, der ebenfalls die Hinwendung einer Frau zu kommunis- tischem politischem Engagement darstellt, ist Maxim Gorkis Matj (1906/07, dt. Die Mutter). Animiert durch das Beispiel ihres Sohnes Pawel, der Flugblätter verteilt, auf denen für eine Revolution im zaristischen Russland geworben wird, setzt Pelageja Nilowna sich in diesem Text aktiv für dasselbe Ziel ein. In der 1954 im Globusverlag herausgegebenen Anthologie Der Kreis hat einen Anfang ist eine kurze Erzählung enthalten, in der ein österreichisches Pendant zu Gorkis Roman beschrieben wird. Der Text mit dem Titel Mutter Österreicher41 stammt von Hans Friedmann und enthält den Hinweis: „Diese Erzählung beruht auf einer Begebenheit aus dem April 1945, von der die Zeitungen berichteten.“ (MÖ 140) Sie handelt von einem sozialdemokratischen Ehepaar, das gleichsam als Allegorie als Vater und Mutter Österreicher bezeichnet wird.42 Sie hatten ursprünglich drei Söhne, deren erster im Februar 1934 auf sozialistischer Seite kämpfte und getötet wurde. Daraufhin nimmt die Familie ihr sozialistisches politisches Engagement zurück, was zur Folge hat, dass der zweite Sohn sich freiwillig zur Deutschen Wehrmacht meldet und bei Stalingrad fällt. Der dritte, Franzl, engagiert sich als Widerstandskämpfer im kommunistischen Widerstand und verteilt wie Pawel in Gorkis Roman Flugzettel. Während der Vater den Akti- vismus seines Sohnes, der sich den Fabrikssprengungen der Nationalsozialisten entgegenstellen und mit der Roten Armee Kontakt aufnehmen will, für „Wahn- sinn“ (MÖ 167, 170) und „sinnlos“ (MÖ 168) hält, ergreift Frau Österreicher die Initiative und macht sich auf, der Roten Armee die Nachricht zu überbringen, die sonst ihr jüngster Sohn überbracht hätte. Ihre Wandlung wird im Text als eine „Erkenntnis“ (MÖ 171) formuliert, die darin besteht, dass politischer Inak- tivismus zum bisherigen Unglück der Familie geführt hat. Sie stellt sich damit explizit gegen die Meinung ihres Mannes. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich in der österreichischen Nach- kriegsliteratur auffällig viele Bekehrungs- und Konversionserzählungen von kommunistischen Autoren und Autorinnen finden, die mit bestimmten Textele- menten wie dem Pathos des Opfers, der Fiktion von Augenzeugenschaft und Authentizität, der Verknüpfung der politischen Konversion mit Freundschaften und Liebesbeziehungen sowie mit der Ermächtigung von Kindern und der Eman- zipation von Frauen arbeiten, um eine Überzeugung oder Überredung zu errei- 41 Hans Friedmann: Mutter Österreicher. In: Globus (Hg.): Der Kreis hat einen Anfang. Neue österreichische Erzählungen. Wien: Globus 1954, S.  139–175 [im Folgenden abgek. MÖ]. 42 Aber auch die Vornamen Gustav und Emma werden genannt. Konversion/Bekehrung 527
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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