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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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gebracht werden, welche politischen Optionen und welche Konfliktfelder sich aus der Perspektive der einzelnen Texte zeigen und wie sich all das zum offizi- ellen Österreich-Diskurs verhält. Bechers Roman betont vorrangig das Trugbildhafte, das die Konstruktion des „neuen“ Österreichs nach 1945 in sich trägt. Die kritische Perspektive wird etwa in der anekdotischen Erzählung von der subversiven Auslegung des habsburgi- schen Wahlspruchs „AEIOU“ („Austria erit in orbe ultima“) pointiert, den ein Schulfreund Zborowskys „zum Ärger unsres Geschichtslehrers also übersetzt hatte: ‚Österreich wird das Letzte sein‘  …“ (KV 101). Bechers Text kontrastiert das besetzte Land, das von den wechselnden Spannungszuständen des Kalten Krieges abhängig ist, mit den idyllisierenden Vorstellungen einer überzeitlichen österreichischen Identität auf der Basis von Wiener Walzer und Habsburger- kitsch. Gerhard Fritsch formulierte 1967 eine ausführliche Kritik dieser Rück- wärtsgewandtheit und konstatierte, dass sich in der Nachkriegszeit „das öffent- liche und private Bewußtsein so schnell wie bequem im geistigen Gestern, in ladenhütenden Klischees, die sich im übrigen für den bald ausbrechenden Kal- ten Krieg recht verwendbar erweisen sollten“3, erging. Es sind vor allem Trugbilder, die auf ein bestimmtes Segment der österrei- chischen Geschichte zurückgehen, während andere zeitgeschichtliche Ereignis- se wie der Zerfall der Ersten Republik und die Gründung des Ständestaates zwi- schen 1934 und 1938 ausgeklammert bleiben. Es war der Rückzug auf entpolitisierte Sachverhalte, der die Gestalt der Zweiten Republik in ihrem offi- ziösen Diskurs wirkungsmächtig bestimmte. Einerseits wollte man gegenüber den Besatzungsmächten angesichts der Beteiligung am Zweiten Weltkrieg seine Harmlosigkeit beweisen, andererseits versuchte man damit der eigenen Geschich- te zwischen 1938 und 1945 zu entgehen und von den Konstellationen des Kalten Krieges zu profitieren. Mit einem auf die habsburgische Vergangenheit rekur- rierenden Österreich-Bild4 sieht sich auch der ungarische Flüchtling Stefan Nagy in Rudolf Henz’ Die Nachzügler (1961), seines Zeichens Professor für Geschichte und Philosophie, an einem Stammtisch im steirischen Mariazell kon- frontiert. Ein Inspektor aus Mähren und ein Schneider aus Böhmen erträumen ein „Österreich der k. k. Sozialdemokratie“ (NZ 139). „In einem heutigen Öster- reich-Ungarn“, so überlegt Nagy, „gäbe es keinen Eisernen Vorhang, keine Völ- kerwanderung, keine Konzentrationslager, keine Geheimpolizei, keine Agenten 3 Gerhard Fritsch: Literatur. In: Otto Breicha, Ders. (Hg.): Aufforderung zum Misstrauen. Lite- ratur, Bildende Kunst, Musik in Österreich seit 1945. Salzburg: Residenz Verlag 1967, S.  7–9 hier S.  7. 4 Vgl. Ernst Hanisch: Reaustrifizierung in der Zweiten Republik und das Problem eines öster- reichischen Nationalismus. In: Lutz Musner, Gotthart Wunberg, Eva Cescutti (Hg.): Gestörte Identitäten? Eine Zwischenbilanz der Zweiten Republik. Ein Symposion zum 65.  Geburtstag von Moritz Csáky. Innsbruck, Wien, Bozen: Studienverlag 2002, S.  27–34. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 546 14 Österreich-Bilder aus dem Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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