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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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‚Zucker teurer‘ – ‚Immer weniger Gemüse‘ – also Hunger. ‚Notenumlauf hat Re- kordhöhe erreicht‘, ‚15  Prozent Lohnforderung berechtigt‘ – also Inflation. ‚Ab- setzung von drei Polizeileitern auf Verlangen der sowjetischen Kommandantur‘ – also Terror. […] ‚Große Kohlenschiebung im Hauptwirtschaftsamt‘, ‚Der Weg allen Fleisches – statt für die Spitäler in den Schleichhandel‘ – also Korruption. Und dazwischen die kommunistische Zersetzung: ‚Kommunisten fordern Neure- gelung der Löhne‘, ‚Währungsreform – auf wessen Kosten?‘ (G 302) In der Kriegsgefangenschaft war den ehemaligen Wehrmachtssoldaten noch ein vereinfachtes Österreich-Bild vor Augen gestanden, das sich in einer von ihnen angefertigten Wandzeitung widerspiegelt. Auf dieser haben die Gefangenen auch die „Moskauer Deklaration“16 angebracht (G 215) sowie die Bilder von Stalin und dem österreichischen Bundespräsidenten Renner, das die Gefangenen „aus einer russischen Illustrierten ausgeschnitten“ (G 213) haben. Das Bild von Ren- ner ist zwar „viel kleiner als das von Stalin“, die Gefangenen sehen jedoch „öfters zu ihm hin als zu dem großen“. (Ebd.) Mit Renner und der „Moskauer Deklara- tion“ verbindet sich ein wichtiger Schritt in der Schaffung der neuen österrei- chischen Identität. Das Dokument war von den Alliierten 1943 mit Blick auf ein Nachkriegseuropa entworfen worden und wurde zu einer vielzitierten Grund- lage des nationalen Selbstverständnisses. In drei Absätzen wird Österreichs Zukunft diskutiert, wobei es als erstes Opfer der nationalsozialistischen Aggres- sion angesehen und festgelegt wird, dass das Land nach dem Krieg als freier Staat wiederhergestellt werden soll. Das Dokument weist aber auch explizit auf die Mitverantwortung Österreichs am Zweiten Weltkrieg hin und bekundet die Absicht, den Beitrag Österreichs zu seiner Befreiung in Betracht zu ziehen.17 In Österreich wurden immer wieder der erste und der zweite Punkt betont, worin sich der Doppelcharakter eines befreiten und besetzten Landes ausdrückt.18 Der Nutzen der Moskauer Deklaration lag für die österreichische Regierung auch in einer taktischen Funktion, diente sie doch als Handhabe, die Verstrickung ein- zelner Österreicherinnen und Österreicher mit dem „Dritten Reich“ nachträg- lich abzulösen sowie in der legitimatorischen Funktion, einen Opfermythos zu schaffen. Im Verlauf des Kalten Krieges „folgte auch der Westen immer mehr dieser einseitigen Interpretation“.19 Der Mitverantwortung am „Dritten Reich“, dem Zweiten Weltkrieg sowie der Vernichtung der europäischen Juden wollte 16 Die nicht zufällig auch am Ende von 1. April 2000 als Dokument der „Unschuld Österreichs“ eine zentrale Rolle spielt. 17 Vgl. Günter Bischof: Die Moskauer Erklärung vom 1. November 1943: „Magna Charta“ der Zweiten Republik. In: Karner, Stangler (Hg.): „Österreich ist frei!“, S.  22–26. 18 Hanisch: Der lange Schatten des Staates, S. 400. 19 Ebd., S. 399. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 550 14 Österreich-Bilder aus dem Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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