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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 552 -
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Unschuld zu demonstrieren. Eine weitere Komponente des österreichischen Glaubensbekenntnisses, das aufgrund des Nationalsozialismus temporär verschüttet war, ist die Religion: Jellinek spricht sich für eine unbedingte Hinwendung zum Christentum aus, welches auf einer Ethik des Miteinander, auch „unter menschenunwürdigen Bedingungen“ wie im Kriegsgefangenenlager, beruht. Seine oberste Maxime lau- tet, dass die Gefangenen „Menschen bleiben [müssen], Christen, Katholiken, die sich bewußt sind, was Gott von ihnen verlangt, was er ihnen befohlen hat“. (G 128) Jellineks Konzeption bezüglich des „neuen“ Österreichs liegt in dem Glauben an Gott, an das Land und sich selbst. Aus dieser Trinität kann ein neu- es Nationalbewusstsein entstehen, dem sich nach und nach auch der zunächst noch „zwischen den Zeiten“ befindliche Büheler anschließt, der diesen Werte- kanon – zunächst zögerlich, dann aber mit Bestimmtheit – übernimmt. Von besonderer Bedeutung sind die historischen Vorbilder, die Jellinek bei einem Vortrag über die Geschichte Österreichs, von der „Landnahme im frühen Mittelalter, von der Tätigkeit der Babenberger und vom Aufstieg der Habsbur- ger“ ins Treffen führt. Seine Ausführungen beendet er mit einem Zitat aus Franz Grillparzers König Ottokars Glück und Ende (1825). Er rezitiert Ottokar von Horneks „Loblied auf Österreich“, aus dem drittem Akt, dritter Auftritt: […] Drum ist der Österreicher froh und frank, / Trägt seinen Fehl, trägt offen sei- ne Freuden, / Beneidet nicht, läßt lieber sich beneiden, / Und was er tut, ist frohen Muts getan. / ’s ist möglich, daß in Sachsen und beim Rhein / Es Leute gibt, die mehr in Büchern lasen. / Allein, was not tut und was Gott gefällt, / Der klare Blick, der off’ne, richt’ge Sinn, / Da tritt der Österreicher hin vor jeden, / Denkt sich sein Teil und läßt die andern reden. (G 110  f.) Auf Grillparzer beriefen sich freilich nicht nur die Konservativen,22 sondern auch die österreichischen Kommunistinnen und Kommunisten. Auf das durch Grill- 22 Der besondere Stellenwert, den Grillparzer bei der Konstituierung eines neuen österreichischen Nationalbewussteins einnahm, wird auch im „Staatsvertragsjahr“ 1955 evident, als zur Wie- dereröffnung des Burgtheaters am 5.  Oktober kontrovers diskutiert wird, ob Johann Wolfgang von Goethes Egmont (1788) oder Grillparzers König Ottokar auf dem Spielplan stehen sollte. Die politischen Kontroversen, die um das Eröffnungsstück entbrannten, wie Friedrich Torberg im Forvm anmerkt, wären nicht eine Frage der Qualität der beiden Stücke oder die Frage nach der Nationalität der beiden Dichter. Vielmehr sieht Torberg in der Wahl Grillparzers gegen- über Goethe auch eine „Demonstration für Österreich“ und „zugleich eine für die Freiheit“, denn insbesondere König Ottokar repräsentiere „Begriff und Funktion eines humanis- tisch-weltoffenen Österreichertums […], das wir sehr wohl nötig haben“. Friedrich Torberg: Goethe und Grillparzer. (In alphabetischer Reihenfolge). In: Forvm  2 (1955) H.  15, März, S.  108. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 552 14 Österreich-Bilder aus dem Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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