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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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parzer evozierte Österreich-Bild rekurrierte Ernst Fischer in seiner Funktion als Unterrichtsminister, zu dem er kurz nach seiner Rückkehr nach Österreich in der provisorischen Regierung Renners ernannt wurde. Dieses „Loblied“ fand sich auch in Schulbüchern der Mittel- und Hauptschulen, die der Jugend das richtige Österreich-Bild vermitteln sollte. Fischer wollte den Beweis erbringen, dass Österreichs Historie und seine Kulturgeschichte immer „voll der prägenden Kraft von Aufklärung, Fortschritt und Rebellion gewesen wären“.23 Seine Absicht war es, die Autonomie und Lebensfähigkeit des Landes zu betonen, um es gegen den preußisch-faschistischen Deutschnationalismus abzugrenzen. Bereits im Exil waren die Kommunistinnen und Kommunisten, anders als etwa die Sozialdemokratinnen und -demokraten, durch ein ausgeprägtes Öster- reich-Bewusstsein aufgefallen. Die österreichischen Intellektuellen im sowjeti- schen Exil hatten sich während des Zweiten Weltkriegs die Aufgabe gestellt, die Entwicklung des österreichischen Nationalbewusstseins zu kultivieren, wobei insbesondere der Historie und der Literatur Bedeutung zukam. Nach Kriegsen- de wurde das engagiert fortgesetzt. Die für die kommunistische Parteipresse tätige Journalistin Eva Priester schrieb eine zweibändige Geschichte Österreichs und das Tagebuch unterstützte alle Bestrebungen, die sich um den „Aufbau eines eigenständigen österreichischen Selbstbewußtseins bemühten“.24 Die Aus- arbeitung eines nationalen österreichischen Kanons und dessen Etablierung sollte jedoch mit den zunehmenden Polarisierungen des Kalten Krieges und der expliziten Westorientierung der österreichischen Gesellschaft scheitern. Die Kommunisten waren ab 1947 isoliert und nahmen den aussichtslosen Kampf gegen die kulturelle „Verwestlichung“ Österreichs auf, die aus ihrer Sicht zur „Aushöhlung des österreichischen Nationalbewusstseins“25 führte. Für Fischer war in seiner Schrift Der österreichische Volkscharakter (1945) Grillparzer ein Kronzeuge der einzigartigen Identität Österreichs.26 Grillparzer, dem Fischer 23 Pfoser: ‚Stalins Brückenköpfe‘, S. 230. 24 Griesmayer: Die Zeitschrift ‚Tagebuch‘, S. 88. 25 Kroll: Kommunistische Intellektuelle in Westeuropa, S. 279, S. 319. Ernst Fischer rief auf dem XVI.  Parteitag der KPÖ zu einer umfassenden Verteidigung der nationalen Kultur in Österreich auf: „Masseneinfuhr barbarischer Filme, Bücher, Zeitschriften und einer fast ebenso barbari- schen Unterhaltungsmusik. Die amerikanische Filmindustrie überschwemmt unser Land mit Erzeugnissen, von denen man den Eindruck hat, sie seien nicht von Menschen, für Menschen gemacht, sondern von alten Hyänen für junge Schakale. Abend für Abend ist die Jugend unseres Volkes dem Leichengift aus Hollywood preisgegeben. […] Die Regierung wagt nicht, die Gren- zen unseres Landes für solches Gift zu sperren, denn das Gift kommt aus Amerika im Namen der abendländischen Zivilisation. […] Die Herzen hart und das Gehirn weich zu machen, das ist das Ziel der um sich greifenden Amerikanisierung.“ Vgl. Tagebuch  9 (1954) H.  11, S.  1–2. 26 Fischer: Die Entstehung des österreichischen Volkscharakters, S. 21: „[…] mit der Entstehung der Doppelmonarchie 1867 fragte sich der greise Grillparzer: ‚Bin ich noch ein Deutscher?‘ und er antwortete: ‚Ich bin kein Deutscher, sondern ein Oesterreicher.‘“ Österreich: Zwischen „‚nicht mehr‘ und ‚noch nicht‘“ 553
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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