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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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abgeschnitten und das ganze auf Lustmord gedreht.“ (EFA 61) Die „absurde, gespenstische Geschichte der Pläne“ (EFA 177), für die einige Menschen im Ver- lauf des Romans ihr Leben lassen müssen, ändert nichts daran, dass diese nichts mehr wert sind (vgl. S.  174  ff.), wie Lutin von einem britischen Geheimdienstof- fizier erfährt. Ein zwielichtiger Geschäftsmann, den Lutin bei seinen Nachforschungen in Velden trifft, erklärt, dass, wenn die Russen „nicht ihre Hand auf Zistersdorf“, einer Erdölquelle im niederösterreichischen Marchfeld, hätten, Österreich „der größte Ölproduzent Europas“ (EFA 58  f.) wäre. Ihn packe der Zorn, wenn er an die Scheinfirmen denkt, die „uns das Blut aussaugen“ (EFA 59). Doch Lutin weiß auch von den „angeblich österreichischen Firmen […], die von amerikanischen Krediten lebten, in Wirklichkeit aber den Russen gehörten, denen sie dank ihrer zwielichtigen Position westliche Gelder und Rohstoffe zuschanzten“ (ebd.), wozu auch die Firma des Geschäftsmannes zählt. Dor und Federmanns Thriller zeich- nen jedenfalls „ein scharfes und atmosphärisch dichtes Bild der Besatzungszeit in Österreich“31 und verweisen in zahlreichen Aspekten auf die labile staatliche Ordnung des neuen Österreich sowie die rechtliche Unsicherheit, die in den vier Besatzungszonen herrschte, die jeweils eigenen Gesetzen unterworfen waren. Die Texte sind eng mit den zeitgenössischen Mediendiskursen verbunden, da beide Romane von konkreten Fällen ausgehen, bei denen Gewaltverbrechen mit den Aktionen der sowjetischen Besatzungsmacht miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die Zwangslage, der die Hauptfigur in Franz Kreuzers Roman Die schwarze Sonne (1955) ausgeliefert ist, verdeutlicht die Situation des besetzten Österreich. Das Land ist nicht nur den aufgezwungenen gesetzlichen Regelungen der Besat- zungsmächte ausgesetzt, sondern geriet auch zunehmend zwischen die Fronten des Kalten Krieges. Der als Kriminalbeamter in kommunistischen Diensten ope- rierende Mirko steht im Zentrum dieses im Untertitel als „Tatsachenroman vom Menschenraub“ bezeichneten Textes (vgl. Kapitel  15: Verschleppung). Als Jour- nalist der Arbeiter-Zeitung, für die er als Kriminalreporter tätig war, waren Kreuzer die Methoden des Terrors und der Repression bekannt, derer sich die sowjetische Besatzungsmacht bediente, um ihre Ziele durchzusetzen. Die sozi- aldemokratische Arbeiter-Zeitung kritisierte ab Mitte 1946 wiederholt die Rote Armee und damit die sowjetische Besatzungsmacht. Unter dem Chefre- dakteur Oscar Pollak, der immer wieder Artikel über die straffrei bleibenden Übergriffe der sowjetischen Besatzungsmacht an österreichischen Zivilisten verfasste,32 erwarb sich das Blatt den Ruf einer Zeitung, „die sich was traut“ und entsprach „weitgehend der Stimmungslage der Bevölkerung und deren 31 Stocker: Jenseits des „Dritten Mannes“, S. 113. 32 Vgl. z.B. O[scar] P[ollak]: Die Unbekannten. In: Arbeiter-Zeitung, 3.4.1947, S. 1. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 556 14 Österreich-Bilder aus dem Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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