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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Unser Strafgesetz bedroht die Tat, die der Angeklagte vollbracht hat, mit Kerker bis zu zwanzig Jahren. Überdies richtete sich die Enthüllung nicht nur gegen den Täter, sondern gegen den gesamten Menschenraubapparat. Sie sollte eine War- nung für alle kommunistischen Polizeibeamten sein, sich für die Verschleppungs- unternehmungen der Russen herzugeben. (SS 178) In seiner Aussage verweist der Journalist also auf die politischen Implikationen des Falles, der auch als solcher gewertet werden müsse: „Der Täter handelte in politischem Auftrag. Bei politischen Verbrechen gibt es nur selten Pardon. Einer, der überführt wird, hat für die Sünden seiner Auftraggeber zu büßen.“ (SS 179) Die Romane von Dor, Federmann und Kreuzer, in denen kriminelle Machen- schaften stets mit der sowjetischen Besatzungsmacht gekoppelt werden, verdeut- lichen eine weitere zentrale Komponente des „neuen“ Österreich: den Antikom- munismus. Dieser funktionierte als „gesellschaftlicher Kitt“36 und ging Hand in Hand mit der steigenden prowestlichen Orientierung in der österreichischen Bevölkerung. Das Feindbild „Kommunismus“ hatte integrative Funktion, indem es einerseits die Reintegration der Nationalsozialisten ermöglichte, die ja eben- falls als Feinde der „Bolschewisten“ agiert hatten, andererseits auf ältere Feind- bilder zurückgriff, die sich noch aus nationalen Konflikten vor 1918 speisten.37 Dies wird nicht nur dem ungarischen Flüchtling Stefan Nagy in Die Nachzügler klar, der davon spricht, dass nicht nur das Bild der Wiener über die „Kriegsrus- sen […] den Lesebuchtürken bis aufs Haar“ gleicht, sondern auch „die Bolsche- wisten den damaligen Türken“ (NZ 47). An der Figur des ehemaligen Wehrmachtssoldaten Büheler in Die Getäusch- ten wird der österreichische Antikommunismus besonders gut fassbar. Dass vor allem dieser autobiographische Roman ein Text ist, der nicht nur ungewollte Anklage, sondern ebenso Bekenntnis ist […] gerade zu je- nem Österreich, das man bis auf die letzte Silbe preisgab, um eben diese letzte Silbe zu einem Phantom aufzuwerten, zu jenem ‚Reich‘, das uns so arm machen sollte, wie wir nie zuvor gewesen waren,38 betont unter dem Pseudonym „Austriacus“ Wilhelm Viktor Steiner in Der neue Mahnruf, der Zeitschrift des Bundesverbandes Österreichischer Widerstands- 36 Rathkolb: Die paradoxe Republik. Österreich 1945–2005, S. 34. 37 Dieter Stiefel, Ingrid Fraberger: Enemy Images. The Meaning of „Anti-Communism“ and its Importance for Political and Economic Recontruction in Austria after 1945. In: Bischof, Pelin- ka, Stiefel (Hg.): The Marshall Plan in Austria, S.  56–97, hier S.  62  f. 38 Austriacus [d.i. Wilhelm Viktor Steiner]: Die Widersprüche eines Enttäuschten. In: Der neue Mahnruf  17 (1964) H.  2. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 558 14 Österreich-Bilder aus dem Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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