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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Während Sperber die Ereignisse aus einer internationalen Perspektive betrach- tet und der „freien Welt“ ein schlechtes Zeugnis ausstellt, betont Reinhard Feder- mann die problematische Rolle Österreichs. Bruno Schindler geht in Himmel- reich der Lügner mit der Haltung Österreichs hart ins Gericht. Er imaginiert, er müsse eine Rede auf dem Begräbnis jenes österreichischen Zollbeamten halten, der durch eine verirrte Kugel getroffen wurde: Wir sind das geblieben, was wir gewesen sind, als der Vorhang aufging: Zuschau- er. Die Rolle des Zuschauers […] besteht darin, das Spiel schweigend zu betrach- ten, wobei Ihnen freigestellt ist, in Augenblicken der Hoffnung insgeheim mit den Akteuren zu jubeln und, wenn alles zu Ende ist, vielleicht ein bißchen zu weinen; (HL 508) Die Haltung Österreichs sieht er als frucht- und ergebnislos an. Denn auch „wenn ihr euch darüber den Kopf zerbrochen habt, so hat es niemandem etwas genützt“ (HL 509), wendet sich Schindler in seiner Vorstellung an die Trauergäste, unter denen auch der österreichische Bundespräsident weilt: „Es hat niemandem genützt, daß ihr weinend eure eigene Großherzigkeit gepriesen habt, nieman- dem hat es genützt, daß ihr geschimpft und geflucht habt. […] Aufgabe des Zuschauers ist es, zu schweigen“ (ebd.). Erika Mitterer, die Tauschzentrale während der Ereignisse 1956 zunächst in ihrem Tagebuch als „Freiheitsdrama“ skizziert hatte, legte in ihrer Konzeption trotz des eminent politischen Hintergrunds des Romans, diesen als unpolitische Tragödie an.51 Hinsichtlich der tatsächlichen Ereignisse in Ungarn im Oktober 1956 bleibt er vage, vielleicht auch deshalb, um den zentralen Aspekt des Rom- ans, Bertholds Entwicklungsprozess, nicht zu verkomplizieren. Auch ist durch die personale Erzählsituation das Wissen der Figuren über den Aufstand einge- schränkt. Über die ungarische Revolution wird nur zum Teil an wichtigen Punk- ten der Handlung durch Radiomeldungen berichtet. Das Medium Radio, wel- ches in Mitterers ursprünglicher Konzeption die Rolle des griechischen Chors übernehmen sollte, machte diejenigen, die den Aufstand mitverfolgten, zu unmittelbare[n] Zeugen eines benachbarten Bürgerkrieges wie noch nie. Der Rundfunk ermöglichte eine fast unmittelbare Teilnahme der Nachbarn, eine neu- artige Erscheinung, deren massenpsychologische Dimension bisher unbekannt war.52 51 Vgl. Márta Gaál-Baróti: Erika Mitterer und die Ungarische Revolution 1956. In: Der litera- rische Zaunkönig  5. (2007) H.  1, S.  25–30, hier S.  30. 52 Viktor Matejka: Sind Ereignisse stärker als die Menschen? In: Tagebuch 11 (1956) H. 22, 17.11.1956, S.  1. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 564 14 Österreich-Bilder aus dem Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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