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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 566 -
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Ein zentrales Motiv im Roman ist das des Tausches. Die Figuren wollen nicht nur ihr Leben eintauschen (wie etwa Berthold), sondern auch Objekte wechseln den Besitzer. In der titelgebenden „Tauschzentrale“ gibt Berthold seinen Win- termantel gegen eine Pistole ab, damit er in Ungarn an der Seite der Aufständi- schen kämpfen kann. Bezeichnenderweise ist es eine deutsche Wehrmachtspis- tole, die er erhält, die aber so alt ist, dass der Lehrer Huber, der in dem kleinen Ort nahe der Grenze für die Versorgung der Flüchtlinge zuständig ist, nicht sicher ist, ob man damit noch schießen kann. Dennoch rügt er Berthold, denn ein solcher Waffenfund hätte auch politische Implikationen: „Ist dir klar, was geschehen wäre, wenn man diese Waffe ein paar hundert Meter weiter drüben gefunden hätte –? Was die für ein Triumphgeschrei erheben würden, daß eben doch nicht nur Medikamente, Kleider und Lebensmittel über die Grenze rollen, sondern auch Waffen –?“ (TZ 175) Eva Priester, die in ihrer Darstellung und „Interpretation“ der Ereignisse in Ungarn in der Broschüre Was war in Ungarn wirklich los? der Linie der KPdSU und der KPÖ folgt, bezeichnet die Vorgänge als „Konterrevolution“ und den Widerstand der Ungarn als „Weißen Terror“. Sie kritisiert nicht nur, dass Öster- reich seine neuerworbene Neutralität verletzt habe, indem es etwa mit amerika- nischen Waffen ausgerüstete ungarische Emigranten über seine Grenzen nach Ungarn gelassen habe, was sich historisch nicht belegen lässt,56 sondern weist explizit dem Westen die Schuld an den blutigen Vorgängen im Nachbarland zu: Daß man sie [die Konterrevolution, Anm. d. Verf.] so gut organisieren konnte, war nicht verwunderlich. Ungarn war das Land, in das am stärksten und am systema- tischsten hineingearbeitet worden war. Jahrelang gingen aus den amerikanischen Militärlagern in Salzburg und Westdeutschland Agenten, Instrukteure, Organisato- ren hin und her. […] Jahrelang bearbeitete der Sender ‚Freies Europa‘ die ungarische Bevölkerung. Mindestens zehn Monate lang vor dem 23.  Oktober legten amerika- nische Propagandaballons ein wahres Sperrfeuer von Flugblättern über das Land. Alles war zum Losschlagen bereit, man wartete nur auf den günstigen Moment;57 Während Berthold versucht, in das von der sowjetischen Armee bedrohte Ungarn zu gelangen, ist der Ungarnflüchtling Stefan Nagy in Rudolf Henz’ Roman Die 56 „Bei der Mehrheit der Vorwürfe ist anhand fehlender stichhaltiger Beweise ersichtlich, dass sie unwahr oder das Ergebnis gezielter Manipulation sind, bzw. dass sie durch die Medien erheb- lich dramatisiert wurden“; vgl. Renáta Szentesi: Anschuldigungen gegen Österreich von Seiten der Sowjetunion und der KPÖ während der Ungarnkrise von 1956 anhand österreichischer Quellen. In: Murber, Fónagy (Hg.): Die ungarische Revolution und Österreich 1956, S.  243– 282, hier S.  275. 57 Eva Priester: Was war in Ungarn wirklich los? Bericht einer Augenzeugin. Berlin: Dietz 1957, S. 68. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 566 14 Österreich-Bilder aus dem Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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