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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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zum Symbol des Protests gegen den Kommunismus. So wird verständlich, war- um in den Nachzüglern ein Österreicher in Lederhose meint, dass die Ungarn in Mariazell „eine zweite Heimat“ (NZ 83) gefunden hätten. Nagy beobachtet bereits auf seiner Reise von Wien nach Mariazell die unga- rischen Wallfahrer: „Ein halbes Hundert Burschen und Mädchen in ungarischer Tracht! Sie marschieren stramm auf, werden umringt, umjubelt, umweint. Sie fühlen sich und sehen gut aus [sic!].“ (NZ 80) Die Prozession der Ungarn, deren Zeuge Nagy wird, missfällt ihm jedoch und noch durch die geschlossenen Fens- ter seiner Pension hört er das „Lied von der Mutter der Gnade“: „Die ganze Stadt tönt eine kurze ungarische Predigt aus vielen Lautsprechern wider und die ers- ten Strophen der Mariazeller Litanei auf Ungarisch, die Orgel dazwischen. Die Stadt dröhnt. […] Lichter, Fahnen, ungarische Fahnen! Sie singen! Ein Volk übersingt die Nacht!“ (NZ 119  f.) Dem Wallfahrtsort Mariazell kam im Kalten Krieg auch wegen der dort prak- tizierten Marienverehrung eine große Bedeutung zu. Die in der Basilika aufge- stellte „Magna Mater Austriae“ („Die Große Mutter Österreichs“) war das Herz des österreichischen Katholizismus und hatte bereits seit den Habsburgern eine Schutzfunktion inne. Die Wiederbelebung des Marienkults durch die katholi- sche Kirche während des frühen Kalten Krieges fand starke Resonanz in der Bevölkerung, denn die wichtigste Funktion eines Heiligenkults besteht für Gläu- bige darin, über ein göttliches Personal zu verfügen, an das man sich in Zeiten der Krise wenden und das für den Bittsteller bei Gott intervenieren kann. Ins- besondere von der heiligen Maria wurde geglaubt, dass sie die größte Kraft der Einmischung bei ihrem Sohn Jesus Christus habe.70 „Mary’s special protection was specifically, explicitly, and almost exclusively aimed at the Communist/Sovi- et/Russian threat.”71 Die verheißene „Gnade“ des Wallfahrtsortes wird Nagy jedoch nicht zuteil. Bei einer Beichte „schlägt der Zweifel wie ein Blitz“ in ihn ein: „Das ganze Chris- tentum ist doch nur eine geniale menschenfreundliche, pädagogische Erfindung, uns über die Wirklichkeit hinwegzutragen. Ich werde diese Vorstellung nicht los.“ (NZ 123) Die prekäre Situation des Glaubens angesichts der Bedrohungen durch den Kommunismus wird von Nagy zwar betont, dennoch sieht er keine Alternative zu seinem Bekenntnis: 70 Vgl. Scheer: Catholic Piety in the Early Cold War Years, or How the Virgin Mary Protected the West from Communism, S.  130–151, hier S.  134. „The Marian pilgrimage shrines and her chur- ches, chapels, and side altars are locations at which the presence of the Virgin was symbolized and the faithful communicated their petitions to her through prayer, hymn, and the lighting of candles.“ 71 Ebd., S. 137. Kalter Krieg in Mariazell 571
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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