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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 573 -
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unter antikommunistischen Vorzeichen geschildert. An der Figur des Polizisten Mirko, der als Kommunist im Auftrag des Ministeriums für innere Angelegen- heiten (MWD) Menschen verschleppt, wird die im Österreich der Besatzungs- zeit verbreitete Vorstellung deutlich, dass die KPÖ nur eine Marionette Moskaus wäre. Von seinem Auftraggeber, einem russischen Oberst, erhält er die Erklä- rung, dass „der Arm des MWD“ lang wäre und zugreift, wenn man es am wenigs- ten erwarte: „Hier in Österreich bin ich der lange Arm – und Sie sind ein Finger, der zugreift.“ (SS 18). Der Oberst erläutert Mirko auch, dass Ostösterreich „[s] pätestens Ende Oktober […] eine Volksdemokratie“ (SS 71) sein werde und nur noch auf das „nächste Lohn- und Preisabkommen“ gewartet würde, das die „richtige Grundstimmung“ erzeugen würde: „Die Partei ruft den Generalstreik aus, die USIA marschiert nach Wien und besorgt den Rest“ (ebd). So fungiert Mirko beim literarisierten „Oktoberputsch“ 1950 als ein Mann im Hintergrund, der von einer Polizeistelle aus Berichte über die Vorgänge von seinen Konfiden- ten erhält und diese an den Oberst weiterleitet. Seine „Informationsmethode“ basiert auf Druck und Erpressung und damit auf der „gleichen Basis wie der ganze Putsch“, wie Mirko erklärt: Ich habe zwei Kollegen, die ich noch von meiner Staatspolizeizeit her kenne und die es inzwischen zu etwas gebracht haben, in den letzten Tagen unter Druck ge- setzt. Sie wohnen beide in der russischen Zone. Ich habe sie davon überzeugt, daß sie morgen früh entweder Angehörige der Volkspolizei sein werden oder obdach- lose Flüchtlinge in einem Barackenlager. Die Wahl ist ihnen nicht schwergefallen. Ich habe außerdem ein wenig auf Kosten Ihres Spesenkontos nachgeholfen. (SS 101) In Kreuzers Roman wird die damals in Österreich verbreitete Angst vor den Sowjets deutlich und er stellt sie als durchaus begründet dar. Freilich waren weder ein Eingreifen der Roten Armee noch eine kommunistische Machtüber- nahme geplant. Zwar förderte die sowjetische Besatzungsmacht die Streikbewe- gung aktiv durch Bereitstellung von Verkehrsmitteln und Propagandamedien, insbesondere die „Russische Stunde“ der Radioverkehrs-AG (RAVAG) sendete wiederholt Streikaufrufe und auch das Organ der Besatzungsmacht Österrei- chische Zeitung spielte eine wichtige Rolle. Jedoch unterließ der russische Rundfunk-Auslandsdienst „Radio Moskau“ alles, was die Unruhen hätte anhei- zen können und äußerte sich, abgesehen von der Verlesung eines Leitartikels der Prawda, dem Zentralorgan des Zentralkomitees der KPdSU, nicht zu den Vorgängen in Österreich. Insgesamt muss die geringe Unterstützung der KPÖ während des Streiks exemplarisch für das Verhalten der sowjetischen Besat- zungsmacht gegenüber ihren „Freunden“ gesehen werden, hatte sie doch das globale Risiko eines Krieges zu berücksichtigen und war deshalb nicht bereit, Oktoberstreik 1950 573
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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