Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 575 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 575 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Bild der Seite - 575 -

Bild der Seite - 575 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text der Seite - 575 -

und Militärhilfe im Rahmen des European Recovery Programm (ERP) zu steigern. In Bezug auf den „Oktober-Streik“ hat Ernst Fischer in seinen Memoiren bemerkt, dass der von der österreichischen Regierung betriebene Antikommunismus „ein fettes Geschäft“ war, denn je „größer die ‚kommunistische Gefahr‘“, desto grö- ßer wäre die Chance gewesen, „die USA zur Erhöhung der finanziellen Hilfe zu bewegen“76. Gegen die Mythisierung des Widerstands gegen einen angeblichen Putsch schreibt 1974 Karl Wiesinger mit Der rosarote Straßenterror (1974) an, ein Text, der laut Autor explizit zum Ziel hat, die „perfide Putschlüge“77 zu entlarven. Der Roman, im maoistischen Oberbaum Verlag in Westberlin in der Reihe „Pro- letarisch-revolutionärer Roman“ in einer Auflage von 3000 Exemplaren erschie- nen, stellte dem offiziellen Narrativ der österreichischen Regierung vom dro- henden kommunistischen Staatsstreich eine Erzählung aus der Perspektive der Arbeiterklasse entgegen, die der orthodoxen kommunistischen Interpretation der Ereignisse entsprach78 und der Sozialdemokratie die „Doppelmaske“ vom Gesicht reißen sollte.79 Durch eine dokumentarische Darstellung intendierte Wiesinger, die mit der „Putschlüge“ einhergehende antikommunistische Propa- ganda der SPÖ und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) zu zei- gen und zu widerlegen. So zählen Innenminister Helmer, der ÖGB-Präsident Johann Böhm sowie der damalige Vorsitzende der Bau- und Holzarbeiterge- meinschaft Franz Olah zu den Persönlichkeiten, die maßgeblich an der Nieder- schlagung des Streiks beteiligt gewesen waren. Vor allem der umstrittene Olah spielte mit seinen „Rollkommandos“ in diesem „Kalte[n] Bürgerkrieg“80 eine zentrale Rolle. Wiesingers Roman – mit dem Ziel, in einer leicht verständlichen Sprache die historischen Ereignisse authentisch zu schildern – ist ästhetisch dem Sozialisti- schen Realismus verpflichtet. Er montiert historische Quellenmaterialien wie Flugblätter, Plakate, Fotografien und Reden in den Text und lässt die Dokumen- te gleichsam als Belastungszeugen der antikommunistischen Propaganda auf- treten. So reiht der Roman „[p]räzise Zeitbilder und fiktive Passagen […] ohne Übergang“81 aneinander und legt die vermeintlichen Gründe für das Scheitern des Streiks offen. Der literarische Angriff auf die Politik der Sozialdemokratie 76 Fischer: Das Ende einer Illusion, S. 323. 77 Wiesinger: Das boshafte Schweigen – die Waffe des österreichischen Reaktionärs, S. 48. 78 Vgl. Eva Priester: Der große Streik. Tatsachenbericht über den Oktoberstreik 1950. Kommu- nistische Partei Österreichs. Wien: KPÖ 1980, S.  2. 79 N.N.: Der rosarote Straßenterror. Aus einer Diskussion mit Karl Wiesinger über seinen neuen Roman, der im Frühjahr 1974 im Oberbaumverlag Berlin erscheint. In: Sozialistische Zeit- schrift für Kunst und Gesellschaft  4 (1973) H.  22. 80 Stöver: Der Kalte Krieg, S. 227. 81 Schnalzer-Beiglböck: Karl Wiesinger (1923–1991), S. 185. Oktoberstreik 1950 575
zurück zum  Buch Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges