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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 583 -
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mitwirkte, setzen sich mit den unmenschlichen Vorgängen bei der „Repatriie- rung“ sowjetischer Staatsangehöriger auseinander. In The Red Danube steht eine geflüchtete russische Ballerina im Mittelpunkt, die aus dem englischen Sektor des vierfach geteilten Wien an die Sowjets ausgeliefert werden soll. Obwohl sie ein englischer Offizier zu schützen versucht, gerät sie in die Fänge der GPU.16 In The Third Man ist Anna, die weibliche Hauptfigur, eine nach Wien geflohene Ungarin und als solche in Gefahr, von den Sowjets verschleppt zu werden. In der Buchfassung beschreibt Greene die Verschleppungsfälle als zentrales Ele- ment der Atmosphäre im Wien der Nachkriegszeit: Bei Nacht tut man gut, in der Inneren Stadt zu bleiben oder in einer von drei Besatzungszonen, wenngleich auch dort gelegentlich Menschen geraubt werden – so sinnlos schien uns dieser Menschenraub bisweilen: ein ukrainisches Mädchen ohne Paß, ein alter Mann, der niemand mehr nützen konnte; manchmal freilich auch der Techniker oder der Verräter.17 Ebenso rekurriert der vermutlich im Auftrag der amerikanischen Besatzungs- macht herausgegebene Propaganda-Comic Verfolgt  …(1953) auf die Praxis der Sowjetunion, Menschen in Arbeitslagern verschwinden und ihre Angehörigen im Unklaren über das weitere Schicksal der Verschleppten zu lassen. Hier geht es um einen Arbeiter in einer Ziegelbrennerei in einem nicht näher bezeichne- ten totalitären Staat, der aufgrund seiner Beschwerden über die Arbeitsverhält- nisse angezeigt wird, was seine Verschleppung zur Folge hat, wie ein Funktionär der zurückgelassenen Familie, deren Mitglieder alle unter den Repressalien des Systems zu leiden haben, berichtet: „Weggeführt haben sie ihn […], weil er ein Aufwiegler ist.“18 Insgesamt ist freilich zu beachten, dass die sowjetische Praxis der Verschlep- pung auch tatsächliche Spione und Saboteure betroffen hat, wie das Greene auch andeutet, und dass sie zu einem gewissen Teil als Reaktion auf die halbherzigen Entnazifizierungsversuche im Westen betrachtet werden kann.19 Es ist mehr als plausibel, dass sich unter den zahlreichen Verschleppten auch Kriegsverbre- cher und Nationalsozialisten, die während des Dritten Reiches in hochrangigen 16 Stiftung Deutsche Kinemathek (Hg.): Kalter Krieg, S. 257  f. 17 Graham Greene: Der dritte Mann. Zürich: Artemis-Verlag 1952, S. 17. Freilich war auch Deutsch- land, insbesondere Berlin, die sogenannte „Hauptstadt des Kalten Krieges“, von zahlreichen Fällen des Menschenraubs betroffen. Der Stasi-Experte Karl Wilhelm Fricke, selbst im Jahr 1955 Opfer einer Verschleppung, schätzte, dass bis Mitte der 1960er-Jahre ca. 700 Menschen aus Westdeutschland in die DDR entführt worden waren. Vgl. Christiane Kohl: Donner, Blitz und Teddy. In: Der Spiegel  50 (1996) H.  10, 4.3.1996, S.  52–68. 18 N.N.: Verfolgt  … Wien: Neue Welt 1953, S. 16. 19 Knight: Kalter Krieg, Entnazifizierung und Österreich, S. 37–52. Österreich als gefährliches Terrain 583
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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