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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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dadurch gezeigt, dass das sowjetische System unmenschlich, vor allem aber auch undurchschaubar sei. Aber nicht nur die Arbeiter-Zeitung forderte deshalb die staatliche Souveränität Österreichs, um solchen verbrecherischen Methoden Einhalt zu gebieten, auch der Wiener Kurier, die Zeitung der US-amerikani- schen Streitkräfte in Österreich, wies in einem Artikel mit dem Titel „Bürger- rechte“ auf diesen Sachverhalt hin. Solange der Staatsbürger die Rechtsordnung nicht überschreite, so der Tenor des Artikels, hätte er in einem „freien, demo- kratischen Staat“ nichts zu befürchten, im Falle eines Vergehens solle „seine Verhaftung in vorgeschriebener Weise durch Polizeiorgane“ erfolgen und seine Schuld erst in einer allgemein zugänglichen Gerichtsverhandlung erwiesen wer- den: „Wo diese Rechte nicht bestehen, wandelt sich Verhaftung zu Menschen- raub, öffentliche Verhandlungen zu geheimen Terror, Gefängnisstrafen zu Skla- venarbeit und der Begriff ‚Demokratie‘ […]“26 würde in sein Gegenteil verkehrt. In seiner Besprechung des Romans Die schwarze Sonne seines Kollegen Franz Kreuzer betont Felix Hubalek, dass es sich „hier nicht bloß um den einen, erschüt- ternd dargestellten Fall, nicht bloß um die (einer schändlichen Wirklichkeit nachgestaltete) Geschichte des Menschenräubers Mirko“ handelt, sondern „an Hand des Einzelfalles der Gesamtkomplex einer politisch-kriminellen Zeiter- scheinung abgehandelt“27 wird. Wie der Klappentext des Romans verlautbart, konnte das Buch erst veröffentlicht werden, „nachdem der letzte russische Sol- dat Österreich verlassen hatte“, vor allem deswegen, weil mit der Publikation des Romans, der explizit die Machenschaften der sowjetischen Besatzer auf öster- reichischem Boden kritisiert, auch für Kreuzer selbst die Gefahr bestand, Opfer sowjetischer Repressionen oder sogar einer Verschleppung zu werden.28 Auch Milo Dor und Reinhard Federmann, die sich zum Unmut der sowjetischen Besat- zungsbehörde mit scharfer Kritik an der Sowjetunion in diversen Artikeln und in ihren Romanen nicht zurückhielten und die an der Gründung der antitotali- tären „Gesellschaft für die Freiheit der Kultur“ beteiligt waren, wurden von Sei- ten der kommunistischen Presse mit scharfer Kritik bedacht und mussten Angst haben, entführt zu werden.29 26 N.N.: Bürgerrechte. In: Wiener Kurier, 25.11.1948. 27 Hubalek: Vom Menschenraub  …, S. 67. 28 Das Bild der schwarzen Sonne, das erst am Ende des Romans eingeführt wird, lässt sich auf Arthur Koestlers berühmten Roman Sonnenfinsternis (1940) beziehen, der die stalinistischen Terrormethoden und deren Mechanismen in Moskau während der großen Säuberungen zum Thema hat. Eine Sonnenfinsternis wird in nicht-wissenschaftlichen Texten manchmal auch als schwarze Sonne bezeichnet. Andererseits legt der Roman mit seinem Titel auch eine Spur zur Literatur des 19.  Jahrhunderts, in der die schwarze Sonne als Symbol für Weltverneinung und Melancholie eine Rolle spielt. Vgl. Julia Kristeva: Die schwarze Sonne. Depression und Melan- cholie. Frankfurt/M.: Brandes & Apsel 2007. 29 Milo Dor erzählt in seiner Autobiographie, dass „Abgesandte der sowjetischen Besatzungs- Verbrechen, Repatriierung, Spionage: Menschenraub im Kontext 585
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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