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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Auch die weitere Biographie des Menschenräubers Cmejrek, der Kreuzer als Vorlage für seinen Antihelden Mirko dient, gestaltete sich verhängnisvoll: Nach den Enthüllungen durch die Arbeiter-Zeitung, die in seiner Verhaftung gip- felten, distanzierte sich die KPÖ von ihm und beschuldigte ihn sogar, Subač ermordet zu haben. Wie die Österreichische Volksstimme klarzustellen ver- suchte, war Cmejrek für das Verschwinden von Subač verantwortlich und hätte sich selbst hinsichtlich der Involvierung der sowjetischen Besatzungsmacht in Lügen verstrickt.40 Die KPÖ erhielt für ihre Behauptungen allerdings, wie die Arbeiter-Zeitung festhielt, von der russischen Kommandantur „die ihnen gebührende Ohrfeige, da sich die Russen offiziell hinter Cmejrek stellten“. Jedoch kümmerten sie sich später nicht mehr „um ihr mißbrauchtes Werkzeug“ und die KPÖ ließ ihn nach der Haftentlassung im Stich,41 wodurch Cmejrek 1955 in den „Freitod“ getrieben wurde. Die Arbeiter-Zeitung weist im Zuge ihrer Enthüllung aber auch noch auf die „Drachensaat aus den Zeiten Honners und Dürmayers“42 hin. Damit sind Franz Honner, der bis Dezember 1945 als Innenminister tätig gewesen war, sowie der erste Chef der Staatspolizei Heinrich Dürmayer gemeint. Sowohl Honner als auch Dürmayer gehörten der KPÖ an und hatten schon im Mai 1945 von den Sowjets die Aufgabe erhalten, eine Staatspolizei aufzubauen, deren Mitglieder sich überwiegend aus dem KP-Umfeld rekrutierten. Obwohl Dürmayer 1947 von Innenminister Franz Olah des Amtes enthoben wurde, setzte sich das Per- sonal der Stapo weiterhin aus vielen KP-Mitgliedern zusammen. Für die Arbei- ter-Zeitung war es demnach „an der Zeit die Menschenräubernester in den Polizeikommissariaten auszuräuchern und der Bevölkerung das Vertrauen in den Dienstausweis eines österreichischen Beamten wiederzugeben!“43 In Die schwarze Sonne stellt ein Wiener Polizeirat und KPÖ-Mitglied erst den Kontakt zwischen Mirko und dem sowjetischen Oberst her. Notorisches Requisit der Entführungen ist sowohl in den Romanen als auch in den Zeitungsberichten ein schwarzer Wagen mit verhängten Fenstern, im Nachkriegs-Wien geradezu ein Symbol für den Menschenraub und die Unbe- kannten, die im Auftrag der Besatzungsmacht handeln. Bei Kreuzer ist es ein altes Mercedes-Taxi „mit überaus geräumigem Fond, der vom Chauffeur durch eine Glasscheibe getrennt ist. An den Fenstern sind cremefabrene Vorhänge“ angebracht. (SS 48) Auch in Berichten der Arbeiter-Zeitung ist von einem „schwarzlackierte[n] Mercedes-Personenauto“ die Rede, das dem Täter dazu 40 N.N.: Die Lüge vom Menschenraub als Deckmantel für kriminelles Verbrechen. In: Österrei- chische Volksstimme, 24.5.1951. 41 N.N.: Das Ende eines russischen Menschenräubers. In: Arbeiter-Zeitung, 15.1.1955, S. 1. 42 Ebd. 43 Ebd. Verbrechen, Repatriierung, Spionage: Menschenraub im Kontext 591
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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