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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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schleppt zu werden. Ein zur Doppelspionage erpresster Ungar soll von Georges Maines Bande auf Geheiß der Sowjets entführt werden, doch der Versuch, ihn in Linz über die Zonengrenze auf der Nibelungenbrücke in die sowjetische Zone zu schaffen, misslingt. Seine Entführer werden zwar von den Amerikanern ver- haftet, er selbst stirbt aber dabei (IZ 147, 164). Die actionreichen Szenen auf der Linzer Brücke sind ein literarischer Reflex auf den sensationellsten Fall der sowjetischen „Kidnapping- und Verhaftungs- welle“,52 nämlich die Verhaftung der hohen Ministerialbeamtin Margarethe Ottillinger am 4.  November 1948 auf der Ennsbrücke in St.  Valentin. Diese Zonen- grenze galt als besondere „Menschenfalle“, bei der es oft genügte, mit angeblich unzulänglichen Papieren angetroffen zu werden, um verhaftet zu werden. Eben- dies geschah Margarethe Ottillinger, der ranghöchsten Mitarbeiterin von Peter Krauland, dem Bundesminister für Vermögenssicherung und Wirtschaftspla- nung, die sowohl über strategische Informationen bezüglich der sowjetischen Betriebe in Ostösterreich (USIA) als auch bezüglich der Planungen und Direk- tiven für den Marshallplan verfügte. Mit der Begründung, ihre Ausweispapiere wären gefälscht, wurden der Minister und seine Mitarbeiterin, die sich auf dem Rückweg von einer Dienstbesprechung nach Wien befanden, festgehalten. Ers- terer wurde kurz darauf wieder freigelassen. Ein Artikel in der Österreichi- schen Volksstimme berichtet über „Kraulands Mißgeschick“ und führt nur kurz aus, dass der Minister „mit 15 Minuten Aufenthalt die Fahrt fortsetzen [konnte], während seine Begleiterin zurückgehalten wurde“53. Die Arbei- ter-Zeitung zitiert ausführlich die russische Nachrichtenagentur TASS, die ausführte, dass Ottillinger ihre Stelle im Ministerium dazu verwendet habe, für die Amerikaner vertrauliche Informationen und Dokumente zu beschaffen, was kritisiert wird, da es für diese Beschuldigungen keine Beweise gäbe: Daher kann man sie nicht glauben ohne vorher die andere Seite, vor allem aber die Beschuldigte selbst gehört zu haben – und zwar nicht, solange sie in der Ge- walt der Geheimpolizei ist, sondern in einem öffentlichen Verfahren vor einem österreichischen Gericht, vor das sie als österreichische Staatsbürgerin gehört.54 Jedenfalls wies die Volksstimme darauf hin, dass die Verhaftung von Ottillin- ger „eine traurige Warnung“ für alle diejenigen österreichischen Beamtinnen und Beamten sein sollte, die im Auftrag der Besatzungsmacht Spionage betrei- ben und sieht in der „Hetze“, wie sie die Arbeiter-Zeitung betreibe, den Ver- such, „den Widerstand gegen die Amerikanisierung des österreichischen Staats- 52 Karner (Hg.): Geheime Akten des KGB, S. 10. 53 N.N.: Dr. Kraulands Mißgeschick. In: Österreichische Volksstimme, 6.11.1948. 54 N.N.: Die Verhaftung der Frau Dr. Ottillinger. In: Arbeiter-Zeitung, 24.11.1948, S. 2. Verbrechen, Repatriierung, Spionage: Menschenraub im Kontext 595
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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