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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 598 -
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Seite - 598 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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In der Darstellung der Arbeiter-Zeitung setzt sich die Masse in Bewegung und entreißt „der Gewalt ihr Opfer“. Der Gejagte kann von den Soldaten nicht ver- folgt werden, da er von einer „Mauer“ umgeben ist, die sich „schützend vor dem Flüchtenden geöffnet hat“ und die Soldaten dazu zwingt, aufzugeben. Den sowje- tischen Soldaten wird unterstellt, dass sie aufgrund der „geheimnisvollen Macht der Masse“ ausgerechnet an die Bilder alter revolutionärer Filme, etwa Sergei Eisen- steins Panzerkreuzer Potemkin, denken müssen, in denen dargestellt wird, wie eine „leidende, schweigsame, duldende Masse [sich] plötzlich in Bewegung setzt, um die Bosheit, die Gewalt, die Unmenschlichkeit zu schlagen“.62 Das Ereignis wird als ein Sieg des österreichischen Volkes dargestellt, das durch Mobilisierung gegen den Feind eine Verschleppung verhinderte und das Recht selbst in die Hand nimmt. Dagegen hält die Österreichische Volksstimme fest, dass in Zusammen- hang mit den „Falschmeldungen“ über einen „angeblich‚ versuchten Menschen- raub“, der durch sowjetische Soldaten erfolgte, die TASS eine offizielle Darstel- lung dieses Zwischenfalles auf der Schwedenbrücke herausgegeben hätte. Danach soll einem sowjetischen Offizier gemeldet worden sein, dass ein österreichischer Schleichhändler versucht habe, Militärangehörige in Zigarettenschmuggel zu verwickeln. Der Offizier habe einen österreichischen Wachbeamten aufgefor- dert, diesen anzuhalten, der Schleichhändler habe jedoch entfliehen könne. Die Volksstimme fasst zusammen: „Aus den Angaben und Berichten der österrei- chischen Bundespolizei geht also klar hervor, daß bei dem Zwischenfall auf der Schwedenbrücke unbekannte Personen der österreichischen Polizei einen Rechts- brecher entrissen, bei dessen Festnahme ein sowjetischer Offizier Beistand leis- ten wollte.“63 Für die Volksstimme ist damit erwiesen, dass die Meldungen in anderen Zeitungen eine „bloße Provokation“ und nur ein weiterer Beweis für die „sowjetfeindliche […] Lügenpropaganda“ wären, die in gewissen österrei- chischen Kreisen gepflegt werde. Die Arbeiter-Zeitung widerspricht der offi- ziellen sowjetischen Darstellung des Vorfalls: Daß der gejagte Mensch ein Zigarettenverkäufer oder auch ein Schleichhändler gewesen sein soll, ändert gar nichts an der Bedeutung des Vorfalles; […] Kenn- zeichnend ist, daß in der ganzen Erzählung der TASS, das russische Militärfahr- zeug nicht vorkommt, in das der Gejagte gezerrt werden sollte – wie so viele vor ihm. Aber gerade dieses russische Fahrzeug, das viele hundert Menschen gesehen haben, war der Anlaß zur Reaktion der Massen. Man sieht danach, was von einer Darstellung zu halten ist, die den Menschenräuberwagen verschweigt.64 62 Ebd., S. 1. 63 N.N.: Was wirklich auf der Schwedenbrücke geschah. In: Österreichische Volksstimme, 27.11.1948. 64 N.N.: TASS-Lügen zum verhinderten Menschenraub. In: Arbeiter-Zeitung, 27.11.1948, S. 2. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 598 15 Verschleppung und Menschenraub
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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