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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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abgesperrt haben. […] Auf Kinderschändung steht Kerker!“ (HB 93  f.) Als Fer- dinand sich weigert, Binny zum CIC-Chef zu folgen, wendet dieser physische Gewalt an. Die einzige, die auf das Verschwinden des jungen Künstlers aufmerksam wird, ist die Hauptfigur des Romans Martha Stanzl. Als sie im Hotel nach Krenek fragt, erklärt man ihr, er sei seit acht Tagen verschwunden. Sie erfährt aber, dass „jemand mit einem kleinen schwarzen Wagen, ein kräftiger junger Mann […] den Herrn Krenek abgeholt“ (HB 97) habe. Krenek wird schließlich aufgrund der Abgän- gigkeitsanzeige, die Stanzl bei der Polizei erstattet hat, freigelassen: Ich hab doch die Abgängigkeitsanzeige erstattet, und da ist der Wirbel losgegan- gen. Das wissen Sie nicht? Wie die Polizei die Anzeige durchs Radio durchgege- ben hat, hat’s auf einmal geheißen: Menschenraub; die einen haben gesagt, die Amerikaner, die andern haben gesagt, die Russen […]. (HB 109) Krenek verschweigt Stanzl aber zunächst den wahren Grund für sein Verschwin- den und gibt an, er habe einen alten Freund getroffen. Über seine einwöchige Gefangenschaft reflektiert er, es wäre „sogar eine fast friedliche Woche“ (HB 110) gewesen, kommt jedoch zu dem Schluss, dass er es Stanzls Anzeige zu ver- danken hätte, dass er freigekommen ist: Was wäre geschehen, überlegte Ferdinand weiter, wenn der ‚Wirbel‘ […] nicht los- gegangen wäre, wenn niemand sich eingemischt hätte? Sie hätten mich gewiß auf eine immer raffiniertere und schärfere Weise gequält. Und dann? Vielleicht wäre ich draufgegangen […]. (Ebd.) Erst am Ende des Romans erzählt er ihr von seiner Gefangenschaft beim CIC: „Ich hatte mich in eine Sache verwickelt – mit dem Geheimdienst –, ich hatte mich anwerben lassen, und dann wollte ich nicht mehr, und dann haben sie mich verschleppt – –“ (HB 254  f.) Wantochs Roman befindet sich damit in Übereinstimmung mit der Argu- mentation der kommunistischen Zeitungen, die das Thema der Verschleppung verleugnen, bagatellisieren oder der Gegenseite unterstellen.74 Joseph Strelka hat Das Haus in der Brigittastraße seinerzeit in einer Rezension heftig kritisiert und befunden, dass neben der Schilderung des „Stachanowismus“ in einer Wie- ner Schneiderei und den „Auslassungen über ‚dekadente‘ Kunst“ auch die Dar- stellung der „amerikanischen Menschenräuber“ dergestalt wäre, dass der Roman mit „Sprachkunst, mit Dichtung, so gut wie nichts zu tun“ hätte, sondern „ledig- 74 Vgl. Kroll: Kommunistische Intellektuelle in Westeuropa, S. 340. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 604 15 Verschleppung und Menschenraub
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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