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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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lich Parteipropaganda“75 wäre. Auf der anderen Seite werfen prosowjetische Medien – wie die Volksstimme – antikommunistischen Medien – wie der Arbei- ter-Zeitung oder dem Forvm – vor, die Verschleppungen aus simplen propa- gandistischen Motiven erfunden zu haben. Reinhard Federmann greift die Debatte über Menschenraub und Verschlep- pung in einer Episode seines Romans Das Himmelreich der Lügner auf, die einen differenzierten Blick auf die Propaganda als „Sprache und Munition“76 des Kal- ten Krieges wirft (vgl. Kapitel  11: Frieden, Freiheit, Propaganda), ebenso wie auf die Frage nach den „Ursachen und Erscheinungsformen dieser Auseinanderset- zung, welche die Besatzungszeit in Österreich überschattet“77. Der Protagonist und Ich-Erzähler des Romans, Bruno Schindler, kehrt nach seinem Exil in der Sowjetunion 1945 in der Uniform eines Presseoffiziers der Roten Armee nach Österreich zurück. Auf österreichischem Boden lieferten sich die Besatzungs- mächte nach dem Krieg eine Propagandaschlacht, die die verschiedensten Medi- en wie Zeitungen, Zeitschriften, aber auch den Rundfunk mit einschloss. Die Propagandaabteilung des sowjetischen Teils der Alliierten Kommission beschäf- tigte mehr als 300 österreichische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,78 die sich gegen die „feindliche“ Propaganda durchzusetzen versuchten. Der kommunis- tische Journalist Bruno Frei verstand seine Tageszeitung Der Abend als eine eigenständige „Guerilla-Einheit“, als eine „unabhängige Kampfgemeinschaft“79 im Propagandakrieg. Die aktivste Propaganda gegen die Sowjetunion führte der Wiener Kurier, der in einer Auflage von 200.000 Exemplaren erschien, von denen 16.000 Exemplare, zumeist kostenlos, in den sowjetischen Sektoren Wiens verbreitet wurden.80 Federmanns Protagonist Schindler wird als Redakteur der fiktiven kommu- nistischen Wochenzeitschrift „Sonntag“ zum Akteur, aber auch zum zunehmend irritierten, ja angewiderten Beobachter des Propagandakriegs zwischen den Besatzungsmächten im vierfach geteilten Österreich. Ausschlaggebend für seine Distanzierung von den kommunistischen Medien ist der Fall eines jungen Kom- munisten und Widerstandskämpfers namens Max Wolf, der im Herbst 1949 zum Spielball der Geheimdienste und Objekt einer Propagandaschlacht zwischen den 75 Joseph Strelka: Das Haus in der Brigittastraße. In: Neue Volksbildung  2 (1955) H. 11. 76 Mueller: „Die Kanonen schießen nicht ... Aber der Kampf geht weiter“, S. 339. 77 Ebd. 78 Vgl. Dokumente 1951, Nr. 77. In: Wolfgang Mueller, Norman M. Naimark und Arnold Suppan (Hg.): Sowjetische Politik in Österreich 1945–1955. Dokumente aus russischen Archiven. Wien: Verl. d. Österr. Akad. d. Wiss. 2005, S.  753  f. (Fontes rerum Austriacarum: Österreichische Geschichtsquellen. Abt.  2, Diplomataria et acta; 93) 79 Bruno Frei: Der Papiersäbel. Autobiographie. Frankfurt/M.: Fischer 1972, S. 288. 80 Vgl. Dokumente 1953, Nr. 84. In: Mueller, Naimark, Suppan (Hg.): Sowjetische Politik in Öster- reich 1945–1955, S.  861  f. Verschleppung aus der Perspektive der kommunistischen Propaganda 605
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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