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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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AUSBLICK Das Anliegen dieses Buches war es, die österreichische Nachkriegsliteratur unter dem Aspekt der durch den Kalten Krieg bedingten geopolitischen Teilung auf breitester Quellenlage einer diskursanalytischen Lektüre zu unterziehen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen deutlich, welcher Nachholbedarf inner- halb der Literaturwissenschaft hinsichtlich einer weitgehend vergessenen poli- tischen Dichtung für den Zeitraum von 1945 bis 1966 existiert. Ein ganzes Feld von nicht-kanonischer Literatur wurde hier erstmals vermessen und kontextu- alisiert. Auf diese Weise ließen sich fünfzehn zentrale Diskursmuster beschrei- ben, die den literarischen Diskurs des Kalten Krieges in Österreich prägten. Es erscheint an dieser Stelle wenig sinnvoll, eine so detaillierte und umfassende Darstellung von über fünfzig Romanen, Erzählungen und Theatertexten in ihren vielfältigen Verknüpfungen mit dem historischen Kontext in eine Zusammen- fassung münden zu lassen. Sehr wohl aber soll ein kurzer Ausblick auf Anschluss- fragen und zukünftige Forschungsperspektiven angestellt werden, die sich aus den Erkenntnissen unserer Studie ergeben. Die Wiederentdeckung und Analyse der in dieser Studie behandelten Texte, die der landläufigen österreichischen Literaturgeschichtsschreibung diametral entge- genstehen, zeichnet ein anderes, multiperspektivisches Bild der ersten beiden öster- reichischen Nachkriegsjahrzehnte und ihrer Literatur. Vor allem das Bild der ‚unpo- litischen‘ 1950er-Jahre kann angesichts einer großen Zahl an Texten, die sich explizit in den zeitgeschichtlichen Diskurs eingemischt haben, nicht mehr aufrecht- erhalten werden. Auch dass es in Österreich nach 1945 keine ernstzunehmende neorealistische Literatur gegeben hat, lässt sich nicht mehr behaupten. Im Übrigen fand ja auch die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und anderen NS-Verbre- chen in der österreichischen Literatur bereits viel früher und häufiger statt, als lite- raturhistorische Klischees das glauben machen.1 In all diesen Fällen wäre es loh- nenswert, der Frage genauer nachzugehen, wie es dazu gekommen ist, dass gerade diese Texte keinen Eingang ins Gedächtnis der Literaturgeschichte gefunden haben und inwiefern das mit den hegemonialen Diskursen und Institutionen der öster- reichischen Nachkriegskultur in Verbindung steht. Zu untersuchen wären die Dyna- miken von Kanonisierung und Ausgrenzung gerade im Zusammenhang mit der Konstruktion einer österreichischen Identität in der Zweiten Republik. Bedingt durch den auf die beiden ersten Nachkriegsjahrzehnte fokussierten 1 Beginnend mit Robert Neumanns Children of Vienna (1946), über Der Bockerer (1948) von Ulrich Becher und Peter Preses, Reinhard Federmanns Chronik einer Nacht (1950) und Das Himmelreich der Lügner (1959), Milo Dors Tote auf Urlaub (1952), Ulrich Bechers kurz nach 4 (1957) etc. steht Ilse Aichingers Die größere Hoffnung (1948) gar nicht so isoliert da, wie immer wieder behauptet wurde.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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