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Romans bildet Gamillschegs Wandel von der seit der Kindheit prägenden großdeutschen
Gesinnung zum nationalen Österreichbewusstsein der Nachkriegszeit. Dem Roman wur-
de große mediale Aufmerksamkeit in Österreich zuteil, eine Diskussion unter politischen
Aspekten fand jedoch nicht statt.
1965 gründete Gamillscheg den „Informationsdienst für Bildungspolitik und For-
schung“ (ibf), fungierte von 1976 bis 1978 als Chefredakteur der katholischen Zeitschrift
Die Furche und anschließend bis 2002 als Mitherausgeber. 1978 erfolgte die Gründung
der Katholischen Medienakademie, die Gamillscheg bis 1897 leitete und als deren Prä-
sident er von 1990 bis 1995 fungierte.
Quellen:
Interview mit Felix Gamillscheg, 11.12.2012 u. 24.3.2013.
Rudolf Geist
geboren am 13.6.1900 (Garschönthal, Mähren), gestorben am 22.4.1957 (Wien), wuchs als
Sohn eines Bäckergehilfen und einer Landarbeiterin in Wien auf. Am 18.2.1918 wurde er
in die Armee eingezogen, wo er zweimal zu desertieren versuchte. Neben beruflichen Tätig-
keiten als Arbeiter beschäftigte er sich mit Literatur, Philosophie und Wissenschaft. Sein
literarisches Werk ist geprägt von persönlichen Erfahrungen und politischen Ereignissen
und zeugt von Engagement für sozial benachteiligte Gruppen (Arbeitslose, Roma). Ab 1923
versucht er als freier Schriftsteller zu leben und gibt ab September die Literaturzeitschrift
Schriften heraus. 1924 erscheint in der von Leo Schmidl herausgegebenen Zeitschrift
Das Wort sein Artikel Partei und Pazifismus, der vor dem Hintergrund des Ersten Welt-
krieges Kritik am Parteiapparat der Sozialdemokratie übt (Gauss, Geist S. 43).
1925 erscheint sein erster Roman Nijin. Der Sibire, in dem es um die russische Revo-
lution und den Aufbau der Sowjetunion geht. Dieser sollte 1946 im Erwin Müller Verlag
neu aufgelegt werden, nachdem Geist in einem Schreiben an die russische Behörde die
prosowjetische Tendenz des Werkes betont hatte, um die Genehmigung durch die Zen-
sur zu erhalten. Die Neuauflage scheiterte jedoch am Einspruch der sowjetischen Zen-
surstelle. (E. Müller an Geist)
1927 erscheint Geists Bericht Die Wiener Julirevolte, in dem er im Zusammenhang
mit dem Justizpalastbrand Kritik an der Klassenjustiz in Österreich übte. 1929 nahm er
am „Ersten europäischen Vagabunden-Kongreß“ in Stuttgart teil, wo sich sozialrevolu-
tionäre Teilnehmer aus verschiedenen politischen Lagern und sozialen Schichten ver-
sammelten. Bis 1938 besuchte Geist mehrmals Deutschland; er pflegte dort Kontakte
etwa mit den deutschen Verlegern Erich Kunter und – später, in den 1950ern – Paul
Heinzelmann, sowie mit einigen Schriftstellern darunter Erich Mühsam. Langjährigen
Briefkontakt hielt er außerdem zu Upton Sinclair. Er publizierte Gedichtbände, Novellen,
Romane sowie politische und kulturpolitische Essays. 1933 fiel Geists Roman Der ano-
nyme Krieg (1928) der nationalsozialistischen Bücherverbrennung zum Opfer, sämtliche
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630 Autorinnen- und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918