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chische republikanische Aktion in Mexiko“; gegründet im Dezember 1941) als Vorstands-
mitglied fungierte und in der von Bruno Frei zwischen 1941 und 1946 herausgegebenen
Exilzeitschrift Austria libre und ab 1942 als Redakteur der Zeitschrift Freies Deutsch-
land mitarbeitete.
Zusammen mit der am 29.1.1942 von ihm mitbegründeten Bewegung „Freies Deutsch-
land“ (Alemania libre) und anderen österreichischen Schriftstellerinnen und Schriftstel-
lern initiiert er den Exilverlag „El Libro Libre“, wo 1944 sein erster Roman Totenjäger
erscheint, der die Geschichte seines Geburtsortes Sereth unter deutscher Besatzung the-
matisiert. Ab diesem Zeitpunkt schreibt Katz neben journalistischen Beiträgen auch lite-
rarische Prosa, darunter vor allem historische Romane, die jedoch einen starken Gegen-
wartsbezug aufweisen. Vor allem die Hoffnung auf jüdische Selbstbestimmung und eine
deutlich antifaschistische Haltung unter den Vorzeichen der kommunistischen Volks-
frontstrategie werden in diesen Romanen merkbar.
Katz kehrte 1949 nach Wien zurück. Er veröffentlichte politische und kulturgeschicht-
liche Aufsätze in kommunistischen Zeitschriften (u.a. Österreichische Volksstimme
und Tagebuch), konzentrierte sich aber auch auf seine literarische Tätigkeit. Eine in der
Nachkriegszeit zunehmend kritische Sicht von Katz auf den Stalinismus und die Enttäu-
schung durch den Kommunismus werden in der Forschung anhand von Gesprächen mit
seiner Familie belegt (Mörl, S.
50). Einen Ruf an die Ostberliner Humboldt-Universität hat
er abgelehnt (Mayer, S.
249). Nachdem er in Österreich keinen Verlag für seine Werke fand,
erschien 1951 sein Jugendbuch Grenzbuben im Ostberliner und Dresdner „Kinderbuch-
verlag“. Das ursprünglich eingesandte Typoskript wurde entsprechend den ideologischen
Vorgaben, die dem Verlag von einer „Lektorin“ nahegelegt wurden, umgearbeitet (Fleck).
Auszüge des Buches erschienen in Österreich in den kommunistischen Zeitschriften Stim-
me der Frau und Österreichische Volksstimme. Der Roman erzählt die Geschichte
von vier Schülern, die auf der Suche nach einem Freund, der vor den Direktoren von Schu-
le und Waisenhaus nach Ungarn flüchtete, die kommunistische Volksrepublik Ungarn ken-
nenlernen und für die österreichischen Mitschüler aus ihrer Sicht beschreiben.
Quellen:
Horst Fassel: Die Einsamkeit des Leo Katz oder die Standhaftigkeit eines Wunschdenkens. In: IWK.
Mitteilungen des Instituts für Wissenschaft und Kunst 42 (1987) H. 2, S. 34–39.
Lieselotte Fleck an den Kinderbuchverlag, Betrifft: Leo Katz – „DIE GRENZBUBEN“. Brief vom
10.12.1950. Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Nachlass Leo Katz, 169/01.
Leo Katz: Drei Buben und ein Hund im Hotel. In: Die Volksstimme, 24.1.1952, S. 4.
Ders.: Die Grenzbuben [Auszug anlässlich eines Nachrufs]. In: Stimme der Frau 10 (1954) H. 36,
4.9.1954, S. 15.
Christian Kloyber: Einige Anmerkungen zum Exil österreichischer Intellektueller in Mexiko 1938–
1945. In: Friedrich Stadler (Hg.): Vertriebene Vernunft. Emigration und Exil österreichischer
Wissenschaft. Bd. 2. Wien [u.a.]: Jugend u. Volk 1988, S. 1004–1011.
David Mayer: Leo Katz (1892–1954). Viele Welten in einer Welt. In: Bernd Hausberger (Hg.): Glo-
bale Lebensläufe. Menschen als Akteure des weltgeschichtlichen Geschehens. Wien: Mandel-
baum 2006, S. 233–256. 639Autorinnen-
und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918