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ebenso realitätsferne wie misslungene Reportage. Auch nach dem Krieg hält Neumann,
seit 1947 britischer Staatsbürger, vorerst an der englischen Sprache fest und beginnt sich
im anglophonen Raum als Schriftsteller zu etablieren.
1952 erschien mit Die Puppen von Poshansk sein letzter auf Englisch verfasster Roman.
Neumanns düstere Groteske ist eine der frühesten literarischen Auseinandersetzungen
mit dem sowjetischen Gulag-System. Seine zweite Schriftstellerkarriere endet allerdings
spätestens mit seiner Rückkehr auf den Kontinent im Sommer 1958, als er sich im Schwei-
zer Locarno niederlässt. Schon einige Jahre zuvor hatte er wieder auf Deutsch zu schrei-
ben begonnen. In den folgenden Jahren leidet Neumann wie viele Remigranten daran,
dass sein Vorkriegs- und Exilwerk in Deutschland und Österreich weitgehend unbekannt
ist und dass er mit seinen Texten keinen Anschluss an den zeitgenössischen Literaturbe-
trieb findet. Neumann verfasst Dokumentationen, Hör- und Fernsehspiele, Zeitungsar-
tikel und Polemiken vorrangig für bundesdeutsche Medien. Dazu kommen autobiogra-
phisch geprägte Bücher wie Mein altes Haus in Kent (1957), Ein leichtes Leben (1963) und
Vielleicht das Heitere. Tagebuch aus einem anderen Jahr (1968).
Auch als Literaturfunktionär war Neumann höchst aktiv. Seit 1947 war er Ehrenprä-
sident des Österreichischen PEN und ab 1950 Vizepräsident des Internationalen PEN.
1965 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1967 die
Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold. 1974 erschien als letzte Veröffentlichung zu Leb-
zeiten die deutsche Neufassung der Kinder von Wien.
Quellen:
Franz Stadler: „Wahlfeinde“ des Kalten Krieges. Friedrich Torberg kontra Robert Neumann. In: Mi-
chael Hansel, Michael Rohrwasser (Hg.): Kalter Krieg in Österreich. Literatur – Kunst – Kultur.
Wien: Zsolnay 2010, S. 213–227.
Günther Stocker: Nachwort. In: Robert Neumann: Die Puppen von Poshansk. Wien: Milena 2012,
S. 268–284.
Ders.: Zwischen Grauen und Groteske. Robert Neumanns Gulag-Roman Die Puppen von Poshansk
und die Kultur des Kalten Krieges. In: ILCEA. Revue de l’Institut des langues et cultures d’Eu-
rope et d’Amérique 16 (La culture progressiste à l’époque de la guerre froide) (2012), online:
ilcea.revues.org/index1454.html [zuletzt aufgerufen 22.6.2016].
Hans Wagener: Robert Neumann. Biographie. Paderborn: Fink 2007.
Helmut Qualtinger
geboren am 8.10.1928 (Wien), gestorben am 29.9.1986 (Wien), wuchs in einer bürgerli-
chen Familie auf, der Vater, Gymnasialprofessor, war nationalsozialistisch orientiert (Klaf-
fenböck [u.a.] 2003, S.
29). Schon als Jugendlicher verfasste Qualtinger erste Theaterstü-
cke und gründete während seiner kurzen Zeit bei der Hitlerjugend eine Theaterbühne.
Er absolvierte eine Schauspielerausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und
arbeitete als Filmkritiker bei der Welt am Abend. In der Forschung werden nach Kriegs-
ende kulturelle Aktivitäten von Qualtinger im Umfeld der KPÖ erwähnt, eine Parteimit-
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650 Autorinnen- und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918